raketenland

beim atmen spuere ich jetzt die neue innenform der lungen. eine plastiktuete in der brust mit grausamer eigenresonanz. insgesamt berechtigt. ich mache haken auf die liste. schmerz des pankreas. ich verstehe nichts von medizin, riskiere ein dicke lippe vor den anwesenden aerzten. beuge mich weit in die angestaubten gesichter, die vor der mattscheibe stecken. zaunphaenomene, sagen die studierten. ich schweige betroffen, hebe stattdessen die hand zum olympischen gruss. dafuer gibt es keine kuesse, sondern trockene nackenschlaege. uniformierte schleifen schlaeuche in die halle hinein. ihre abzeichen blitzen streng. selbst die alten halten sich jetzt breit und abseits, starren mich bloss an, als kaltes wasser auf mich abgeschossen wird. im hintergrund geht heimlich eine zigarette unter den doktoren herum. sie versuchen mir bereits seit wochen eine lungenentzuendung zu verpassen. kostbare sendezeit verstreicht. spaeter wird mir etwas nahrung gereicht. erniedrigende kunststueckchen fuehre dankbar dafuer aus. manche klatschen sogar. einschaltquote stimmt. erstaunlich frisch fuer soviel leid. ich lache oft aus ehrlichem schmerz. der koerper missversteht sich langsam selbst. schade um seine gruendlichkeiten. ich schlafe unfreiwillig dann. sie schlagen mich ins koma. davor lachen sie wahrscheinlich. ich hoere beim fallen immer schlecht. der kiefer davon schon zugeschraubt und sproede. jahre vergehen. sie pflegen mich bemueht und intensiv. musik wird live gespielt, tanz soll das erwachen animieren. erst effekte. beleidigungen folgen, wenn monate ereignislos vergehen. die schuld wird fluessig an mich verfuettert. schokolade oder vanillie. kontrastschwache anzeigen protokollieren die verbliebene vitalitaet. in meinen adern fliessen potente gifte. maschinen zirpen um das bett. manchmal laden beben erdplatten unter spannung auf. egal. erster wiederaufbau. die ganzen absichten sind auf papier geschrieben. antik und pflichtbewusst. es kreist immernoch atom um atom. darunter strings vielleicht, die energetisch schwingen. boomende stadt trotz allem. volt und watt. wir koennen nie vollstaendig verstehen. deshalb werde ich gebaut. aber, sagen die aerzte, in jeder zukunft gibt es geld. neue ideen. ein neuer therapieansatz. nach elf operationen atme ich wieder eigenstaendig. undankbarkeit ist uebrig. ein alter prozess, der leere zweifel schafft. es wird bald elektrisch geschnitten. ich erfahre es zuletzt. mit offener schaedeldecke deute ich auf karten. lese worte von einem bildschirm herunter. werde gebeten gesichtsausdruecke zu deuten. die sprache geht mir dabei leiernd abhanden. erneut gelaechter, da der koerper synaptisch reagiert. medizinerhumor. zur strafe werde nach der operation in narkose versetzt. zwei pfleger schieben mich auf dem flur hin und her, lassen das bett mit ueblem schwung gegen die waende fahren. selbst in den gurten festgeschnallt falle ich oft fast heraus. gravitationserlebnis. sie machen endlich pause, gehen fort. der fremde wille wirkt. eine stunde lang steht mein bett neben dem arbeitenden reinigungsroboter, der unfaehig ist vorbeizufahren. endlosschleife seiner metallischen bitte den weg freizumachen. ich starre zur decke, versuche ihn zu ueberhoeren. dann dritter montag. ich erkenne die halle still wieder. viele aerzte sind faltenfrei gestorben, aus reiner muedigkeit. der weg ist weit zur perfektion. alte werte, aber neue apparate aufgestellt. ich staune. eine faszination liegt selbst in dunkler wiederholung versteckt. das geheimnis ist in der kontruktion selbst einen punkt zu finden, der einzigartig ist. nach einem auschnitt zu suchen, der damit unbekannt und oberflaechlich metaphysisch wirkt. ich habe dann starken, beinah goettlichen durst. die glasflasche, erst freundlich gereicht, wird mir laut drehbuch ploetzlich gegen die zaehne geschlagen. es gelingt. [pn]

wachsloewen

ungerade rede. soviel ruecksicht in den worten, dass von der sprache nichts mehr uebrigbleibt. mehr noch. opake einstellungen. jeder sinn wird zwischen ihnen vernichtet. die kompromisse, die sie schliessen, bleiben folgerichtig, treiben aber nichts an. sie sehnt sich nach seiner verlorengegangen inkonsequenz. diese neue naehe ist ekelerregend und hindert sie am entfalten. das hat sie nicht gewollt. sie stellt es erschrocken fest, wird beinah bleich dabei. sie denkt darueber in seiner abwesenheit nach. frisch geschminkt verschiebt sie dann die einheiten am abakus, berechnet gewissenhaft und illustrierend ihre gewohnheiten und diskreten wuensche, waehrend sie auf seinem brustkorb liegt. beide lassen sich wissentlich gegenseitig liegen. nachts fahren zuege schrill auf den nahgelegenen gleisen vorbei. es wird nie dunkel in dieser stadt. nur blau. er steht dann auf, um das gemeinsame bett zu verlassen. ihre temperaturen stimmen nicht ueberein. jemand ist immer zu heiss oder zu kalt. elektronische tintengesichter. beruehrungen sind schnell vergessen. touchscreenidiotie. sie zeigen sich bloss ihre koerper. das ist genug. er ist satt. waehrenddessen laesst sie sich irgendwo begehren und gefaellt sich dabei. ich weiss ich weiss ich weiss. es ist nicht sicher aus wessen mund es faellt. gleichzeitig. triumphal werden fallen versteckt, die im alltagsdickicht todbringend arbeiten. ausgehen. mit freunden zu abend essen. die gleichen geschichten verdauen. blicke ueber rotweinglaeser hinweg. pastarezepte. glueckwuensche. die neue vase wird bestaunt. drahtlos funkt die musik in die lautsprecher. eindrucksvoll. themen werden verteilt. redeanteile schwanken. knoepfe am bund spannen spaetestens jetzt. das muessen wir unbedingt wieder machen. das sagt man doch nur im fernsehen. ausrufezeichen. muedelachen. uhrzeit wird wichtiger. die paare sind erleichtert das bekannte an ihrer seite zu halten. mit der/dem koennte ich einfach nicht. augenbrauen schwingen. schokolade wird von mundwinkeln gewischt. war der auflauf nicht zu angebrannt? i wo. nach dem verlassen der wohnung werden nasen geruempft. gemeinsam stark in der ablehnung. pillowtalk auf der strasse. er haelt sich betrunken an ihr fest. sie spuert fuer einen augenblick ihre liebe zurueckkehren. vorbei. sie hat auch zuviel getrunken. alkalische toenung im rachen. die speedspucke fliesst aus dem inneren nasenloch in den hals hinein. sie hat ihren pullover oben vergessen. warte hier, sagt sie. ihr arm wird losgelassen. er hat nicht die absicht weiterzugehen, gibt ihr zum abschied einen trocknen kuss auf die lippen. bartstoppeln. ich bin doch gleich wieder hier, sagt sie ueberrascht und kann sich zurueckhalten den nikotingeschmack vom mund zu wischen. sie will das rauchen aufgeben. er stoert sie dabei. das laternenlicht springt von gelb zu weiss. ein kraftwerk pumpt am ende der stadt. ich weiss, antwortet er und verabscheut die unpassenden sterne am himmel. beim hochsteigem der treppe beginnt sie die stufen zu zaehlen. bei jedem fehler laeuft sie das stockwerk wieder nach unten. spaeter wird sie in dieser nacht einen unerwuenschten orgasmus haben. den hat sie immer, wenn sie wuetend ist. [pn]

vor 64368000 sekunden

in der kueche. folienabgedeckter boden. warte bis der akkord einsetzt, sagt eine innere stimme. die bauleuchte strahlt unregelmaessig in die leergeraeumte ecke. tapete wird mit zuversicht von der wand abgezogen. spachtelschiebungen. wir wechseln uns mit der trittleiter ab. neuanfang. das sperrholz hinter der spuele ist feucht geworden und verrottet. beim herausheben blutet es rot auf das linoleum. wechselt den aggregatzustand. die farbe ist betoerend schlicht. ich breche die schrankteile an der farbeimerkante und trage die stuecke in den mir noch unbekannten hausflur. die situation daemmert erst, wirkt wie ein wendepunkt. du traegst hellblaue jeans, weissbenetzt. in den anderen zimmern stehen die moebel willkuerlich verteilt. funktionsaenderung. diesmal beruhigt mich diese unordnung. zeitplanung. du bist attraktiv aufgeregt. endorphinregen. wir essen misosuppe von tellern, die wir in umzugskartons finden. hinter dir werkzeug und schraubenhaufen. das ist der zauber von handlungen, da ergebnisse produziert werden. du spuelst die teller in der badewanne. fiktive improvisation. alles ist moeglich. vom schleifen liegt ein duenner staubfilm auf uns. den sieht man in der bausparwerbung selten. dann zerreise ich alle hologramme unserer kinder. falsche freude macht das leben schlagartig schal. der ist zum umbinden in der kaelte gedacht. dann will ich ploetzlich etwas und verstehe kurz nicht mehr, was ein beduerfnis eigentlich ist. suche. im zwielicht trete ich an dich heran, greife nach deiner taille, fahre an deinem atmenden bauch entlang. in gelben plastikhandschuhen sind deine haende beschäftigt. du ziehst die schultern zusammen. ein windstoss schlaegt das kuechenfenster zu. die handschuhe haengen jetzt ueber dem wasserhahn. wir vergessen staendig wasser zu trinken. nehmen aspirin gegen die loesungsmittelkopfschmerzen. merkwuerdig, dass der koerper ueberhaupt reagiert. ein stoff wird heimlich gegen einen anderen getauscht. manchmal versteht man die banalsten dinge nicht. der spiegel im bad ist zum streichen abgehaengt, steht auf den bodenkacheln. man kann kaum unsere bewegungslosen schuhe darin sehen. ich entdecke den schraubenzieher trotzdem neben deinen zehen und hebe ihn auf. wir laecheln oft und vorsichtig. das schlimmste ist den respekt voreinander zu verlieren, sagt mir am vortag ein fremder an der ampel. der platz im kopf wird schmaler, faehrt er fort, je laenger menschen sich kennen. eine abartige selbstverstaendlichkeit. wir sind uns leider einig. nicken uns sozial womoeglich sogar zu, auch wenn ich es sofort abschuettel, als er hinter der naechsten haeuserwand vergeht. entweder oder. er erinnert mich an eine figur aus einem kieslowski film. waehrend der renovierung lese ich ein buch ueber das theo-technologische kontinuum. die fortfuehrung und befriedigung der religioesen beduerfnisse durch technikglauben. es tut gut sich selbst neu zu laden. refresh. wir sind offline. arcor macht bekanntlich probleme. dabei schaue ich dort gerne die tagesthemen. ich muss ins schweigen hineinlachen. du siehst mich verbluefft an und legst den pinsel beiseite. die waschmaschine schleudert und bewegt sich dabei. ihr fehlt ein standfuss, dennoch will sie fliehen. zeitschriften fallen zu boden. das telefon klingelt, um den moment abzuschliessen. du gehst mit gedaempfter stimme in einen anderen raum, als ob du jemanden nicht wecken wolltest. aus der decke ragen nackte kabelenden. ich mag das kleine licht des spannungspruefers, die unsichtbare wut des stroms darin. schaue auf meine arme und kratze ein wenig farbe von der haut. der szene fehlt die atmosphaere. ich lege deshalb eine schallplatte auf, drehe die boxen im tuerrahmen. das gegengewicht des arms ist nicht richtig eingestellt. die nadel gleitet auf der rotation beruehrungslos ins zentrum. luftkisseneffekt. vor mir schatten. ich drehe die lautstaerke herunter und schaue ihr dann mehrfach bei der reise zu. [pn]

…fghiklmn…

zeichentrickherzgestalt. sie zeichnet am schreibtisch ihre gefuehle, wechselt den bleistift gegen einen bestimmten kugelschreiber. rasche erinnerung ist der ablaufende film. comicstrip. menschen werden zu karikaturen, attributbehangen enden sie auf dem achtziggrammpapier. altbekanntes ist oft kostenlos. das muss nichts negatives sein. sie gaehnt beim schraffieren. diagonalen fuellen dicht die boegen, aus sprechblasen treten die worte heraus. handlungskalkulation. ihre fuesse sind kalt eingeschlafen. die frau macht ploetzlich eine pause, um auf toilette zu gehen. prinzip fuehrt zu charakter. sie geht am waeschestaender vorbei, an dem die nasse kleidung haengt, beruehrt kurz kalte baumwolle. sie fuehlt sich absurd dabei. eigenzensur faellt in ihre person. sie weiss nicht, gegen wen sie gerade kaempft. was sich in ihr straeubt ist ungreifbar. die frau ist von der durchsichtigkeit ihres leben schlagartig ueberrascht. sie geht zurueck zum tisch, greift nach dem becher im papiergeflecht. ausklingende waerme steckt im porzellanersatz. sie schaut herunter auf die zuletzt geschriebenen zeilen: denken bedeutet das selbst zu heilen. wahrnehmen das andere oder den anderen zu entzerren. sie stellt den tee jetzt ab. spuert ein spannen in den handgelenken. reagiert darauf wie metall in der mikrowelle. sie hat zu viele gedanken aufgenommen. unordnung auch im lebensraum. der hals der schreibtischlampe ist schon vor wochen angebrochen. das licht liegt flach auf der holzebene, unfaehig einen gesunden kegel zu werfen. jeder gegenstand bekommt dadurch eine sonnenabgewandte seite geschenkt. die frau bewertet die situation und ekelt sich dabei vor den gehaeuften objekten. sie sieht die letzten verbrauchten stunden. panik tanzt. das gezeichnete verliert abgeschlossen seine kurzlebige bedeutung. es ist besser als fernsehen, sagt sie sich. trotzdem hat sie lust sich auszuschalten. tal und geysir im koerper. die zimmerfenster sind jetzt duenn und spiegelgleich. auf der gegenueberliegenden seite werden vorhaenge sorgsam schnell zugezogen. die frau sieht ihre bauchschmerzen und traut sich nicht mehr auf den stuhl zurueck. jeder moment wirkt knapp und dreigeteilt. staendige ebenenwechsel. ihr ist schwindlig. sie findet keine handlungskette wieder. sinne sind grenzerfahrungen, denkt sie und hat gaensehaut am ruecken. die aermel ihres pullovers sind zu lang. sie nimmt die aufgehaengten bilder von den waenden, gesicht nach unten abgelegt, zieht danach ihren mantel an. ich gehe kaum raus, sagt sie und zoegert, als sie ihre haare kaemmt. sie legt die buerste ab. sie will nichts gelerntes mehr tun. draussen ist die luft warm und verbraucht. von dem entschluss enttaeuscht zwingt sie sich weiter zu gehen. es ist nicht das innere, das behindert. es ist der rest. sie stellt sich an der strassenecke auf die zehenspitzen um ihr gewicht zu fuehlen. motorraeder ziehen als laermende linien vorbei. betrunkene haengen ihre arme aus den wagen. die frau ist zuschauerin, delegiert das geniessen dabei portionsweise nach aussen. sie bleibt stehen, wo es zu erwarten ist und laechelt notwendig, ueberlegt genau. in einem beliebigen cafe versucht sie einen zeitungsartikel zweimal zu lesen und ihn jeweils unterschiedlich zu verstehen. ihr wird bewusst, dass beides richtig ist. das bereuen erlischt. sie hat lust wirksam zu erscheinen. die frau schreit nicht besonders laut auf, vergisst jedoch das gerufene wort augenblicklich. oder den namen. ein name ist auch ein wort. fast niemand schaut herueber. beim zahlen gibt sie erleichtert etwas mehr trinkgeld. geschmeidig streckt sie ihre finger aus. die kellnerin schaut beim verabschieden in ihr schweres arbeitsportemonaie. es verschwindet im guertel. das abdecken des tisches verlaeuft parallel zum energischen aufstehen der frau. die sitzeinheit wird stumm gereinigt. der stuhl beilaeufig zurechtgerueckt, das tischtuch fordernd straffgestrichen. blasse routine in dem austausch der gesten. eine indirekte entschuldigung fuer das erscheinen wird abgenickt. das ich ist tausendfache wiederholung, denkt die frau. sie nimmt diesmal den anderen ausgang. einen umweg an den anderen tischen vorbei. [pn]

invasion

smog. wir schaben ihnen manchmal noch die gesichter mit den spaten ab, um ihnen die wuerde zu bewahren. vor jedem stich schaut mein nebenmann mich seltsam an, als koennte ich etwa seinen fuss lenken, den er auf die schaufelkante tritt. er weint vielleicht dabei. ich weiss es nicht, schaue zu oft zu boden. mittlerweile sitzen die soldaten auf den stotternden lkws. sie lachen nicht mehr. in ihren uniformen wirken sie dafuer schon zu konkret. sie sind wohl hungrig, wie wir. der strassenzug ist bald gesaeubert, denke ich und greife einer aufgedunsenen frau an die knoechel, um sie zum buergersteig zu ziehen. gruenes traegerloses kleid. in meiner hand zerbricht ein knochen unter ihrer haut. sauer liegt mir ein geschmack im hals. dysfunktionale geraeusche. die dolmetscher warnen uns unaufhoerlich durch die megaphone. sie sprechen schlechtes muedes deutsch. kleine geste begleiten ihre wuensche. missbrauch von wissen, selbst dort. im hintergrund brennt bunt die heimatstadt. gebaeude schmelzen gallertartig unter hitzestrahlern, die innenraeume zerreiben sich samt inhalt, wirbeln zwischen panzerketten. nur durst jetzt, sie geben uns zu trinken. fabrikneue trinkflaschen der cola company. ich streiche ueber das matte graue plastik. you can´t beat the feeling. kegelblitze am gestauchten himmel. ich sehe den nebenmann nicht mehr. schuesse fallen ploetzlich, doch niemand zuckt. mein turkey ist seit tagen vorbei. ich sollte den besatzern dafuer dankbar sein. wir gehen in tausendfuesslerkolonnen. am naechsten checkpoint liegen tote hunde breit verstreut. der mond wirkt zu gross. optische taeuschung aufgrund der hochhaueser am bildrand. diese strassenecke ist kaum zerstoert. die leuchtreklamen funktionieren sogar. wir werden zum schlafen in eine schule hineingetrieben. die scheiben sind intakt. vor wochen hat hier noch niemand an krieg gedacht. vor vierundvierzig tagen stand ich nervoes in deinem zimmer und suchte dir unterwaesche aus dem schrank. ich war nochmal in die wohnung gekommen, um meine restlichen sachen zu holen. als ich gerade photos dramatisch von den waenden nahm, rief mich einer der nachbar an, um mir zu sagen, dass du mit einer nierenentzuendung im krankenhaus liegst. ich schaemte mich kurz , da ich angenommen hatte, dass du an diesem morgen bei einem anderen mann im bett bist. eigentlich ging mich das damals nichts mehr an. entscheidung. scheidung. wegscheidung. ich dachte ueber worte nach und wusste gleichzeitig nicht, was ich fuer dich packen sollte. die ganze zeit das gefuehl mich beeilen zu muessen. alles wirkte wie eine schlechte filmszene. nachlaessig und allein fuer den effekt komprimiert. mein wagen sprang vor dem haus natuerlich nicht an. eigentlich war es ein warmer fruehlingstag. trotzdem hatte ich grundlos einen regenschirm mitgenommen. zur klinik war es nicht weit. ahnungslose passanten um mich herum. zu fuss durch den park. eine deiner taschen in meiner hand. die gaenge im krankenhaus gewohnt trostlos und leer. dein zimmer irgendeine hunderternummer. vor der gruenen tuer zoegere ich mit dem anklopfen. du richtest dich blass auf, als ich eintrete. keine schwaeche zeigen. duell. du bist von tabletten benommen und bietest mir eine davon an. ich nehme sie, ohne darueber nachzudenken. altmodische glasflaschen mit mineralwasser stehen auf dem beistelltisch. du oeffnest ein fenster. der geruch im raum ist dir unangenehm. ich sehe deine bewegungen. wir reden ein wenig und trinken den geschmacklosen kaffee, der fahrbar in grossen kannen auf dem flur steht. sind uns ambivalent. halbfreude. schoen bist du. beschuetzenswert. der regenschirm rutscht mit einem knall vom stuhl. wir gehen die flure entlang, in denen man schlurfende pantoffeln erwartet. es ist jedoch leise. die wenigen krankenschwestern wirken wie nonnen. das krankenhaus muss frueher ein kloster gewesen sein. im fahrstuhl lachen wir ueber ein plakat, dass seniorenmusik bewirbt. wir lachen nur um platz zu schaffen. die cafeteria hat nicht wirklich geoffnet. deshalb koennen wir nicht zu mittag essen. klassisch. du hast fruchtkompott. mein apfelkuchen ist klebrig und zu suess. wieder kaffee. das lokalradio spielt schlager. was sonst. einige handwerker essen torte im stehen. sie lehnen sich an das austellungsglas hinter dem die krankenhausportionen quark eingeschlossen sind. die dosenmandarinen sinken ein, bilden eine mikroskopische korona. einer der blauen flirtet mit der thekenfrau, reibt sich die sahne aus dem bart. sie traegt tatsaechlich ein haarnetz. du willst, dass ich dich nicht mehr besuche. ich rauche und nicke. klopfe mit den fingern die erwartung aus dem koerper. falte die wachspapierserviette unter deinen blicken, um sie danach unter den teller zu stecken. man kann durch die jalousien auf das kiesbedeckte flachdach schauen. draussen frieden. ich kontrolliere die uhr, dabei will ich bei dir bleiben. du trinkst etwas stilles wasser. dein blick ist wertestarr. deine augen kullern nicht. zitronenflocken kleben an der innenwand vom glas. deine lippen sind jetzt grenzenlos. du schuetzt dich selbst. wir spielen jetzt rollen unter getrennten praemissen. ich setze alles ein, um nichts zu fuehlen. eine oberflaechensituation entsteht. spaeter drehe ich beim abgehen des flures den regenschirm in schwuengen, lasse ihn kreisen. werfe damit die zerrende spannung ab. autobahnrueckblick. ich hasse jetzt, dass ich dich damals hinter der zifferntuer verschwinden lasse.
[pn]

sie irren

niederfaelle ranghoher knie
drehen die welt und heben sie
denjenigen aus den angeln,
die bloss zuschauen wollen.

[pn]

piloten

keine angst vor dem ueberwachungsstaat. du hast angst vor mir, sagt jaegle und schaut mich an. es ist eng in der umgebauten concorde. im hinteren abschnitt des flugzeuges haben wir brom in schweren metallfaessern geladen. wir sind bereits seit tagen in der luft. alle sechstausend kilometer fuellt eine zwillingsmaschine unsere fluegel auf. jaegle schaut auf ein verschweisstes bullauge. jucken dir auch derart die ellenbogen? sie verlaesst die kniehocke und nimmt dabei keinen arm zur hilfe. eindrucksvoll in diesen schweren anzuegen. sie schlaegt mit dem handschuh gegen mein visier. bietet mir mit getoentem helm in einer eindeutigen bewegung die paarung an. auf dem boden, denke ich. die naechste stunde verbringe ich im lernschlaf. eine meldung des bordcomputers weckt mich. stumm stehen wir an den nahrungskabeln, um uns einzuklemmen. schneiders ablauf muss wieder durchgeschossen werden. er schaut zuviel fern in seinem helm. verbringt den gesamten flug nur in sich selbst. die hydraulik seines anzuges kontrolliert leise und vollstaendig seine glieder. er liegt im stehen. hoert oldies dabei. ich habe erst vierzig prozent abgegeben, um mich besser auf meine arbeit konzentrieren zu koennen. jaegle fuettert ueber ein terminal den testaffen. im neonkasten sitzt h4 hinter plexiglas, frisst mit schlaffer hand die schwarzen pellets, die hineinfallen. ich stehe in der naehe. ein teil von mir liest datenmengen aus. die restlichen anteile nutze ich, um mit jaegle ueber die hypnotischen bewegungen von giraffen zu sprechen. sie hat angeblich schon mit dieser art gearbeitet. ich gehe wortlos in neid ab, um mich bei der zentrale zu melden.

spaeter steht jaegle an den anzeigen des bromwerfers. ich erkenne, dass sie sich im anzug noch selbst bewegt. dann spuere ich einen druckausgleich. der nachbrenner zuendet. wir steigen durch die schallmauer auf siebzehn kilometer. verspruehen elf tonnen ueber oslo. die videomonitore zeigen die hinter uns entstehenden kondensstreifen. rotbraunes eis wird in den himmel gerissen. die hormonpumpe gleicht mich aus. anscheinend hat der computer schwankungen in der gruppendynamik festgestellt. jaegle gefaellt mir jetzt sogar noch besser. der autopilot wird abgeschaltet, als ich ins helle cockpit steige. die anzeigen justieren sich neu. melatonindaempfer, sagt ein stimme begeistert hinter mir. jaegle folgt bereits. wir duerfen nicht auffallen. sie wiederholt es immer wieder. nachrichtenupdate. neues kartenmaterial. schneider ist ganz versessen die koordinaten einzugeben. sein tatendrang irritiert. die kanonen pumpen unermuedlich brom. ich frage mich, wie ihre haut riecht. nach der veraetzung wird sie ebenfalls neue teile brauchen. ihre morphindosis wird seit tagen erhoeht. als sie naeherkommt nehme ich ihr profil vom schirm. ich versuche sie abzulenken. wir gehen im netz spazieren. kaufen ein paar kleidungsstuecke. ihr ebenbild ist merkwuerdig. ich verstehe den zierrat nicht. ich frage mich, ob es ihr eigener scan ist oder nur ein avatar. ich habe schon lange keine echte frau mehr nackt gesehen. sie will nicht. sie sagt, dass sie mit mir nicht tanzen geht, da menschen keine pfauen sind. ihr einwand ist interessant. ich sage ihr foermlich, dass dies nur ein test war. tanzen sei im konfliktfall verboten. sie schweigt und wechselt in sekundenbruchteilen ihr kleid. der andauernde takt der farben stresst meine augen. ihre absicht ist offensichtlich, macht deshalb muede. die baeume werden neu geladen. freiflaechen entstehen. kaputte vektoren um uns herum. bots tauchen auf. unter ihnen elektronische haendler. unsere firewall kickt jetzt energisch. reiner eklektizismus unserer gefuehle. jaegle sieht mich wuetend an. sie aktiviert einen ausgang und verlaesst das areal. ich setze mich in der simulation auf den boden und beginne nacheinander die gesamte landschaft zu entfernen.

der ton der wirklichkeit bricht langsam wieder ein. schneider lacht hysterisch. turbinenhintergrundrauschen. der dumpfe nachbrennerschub koppelt mich ab. neue anweisungen werden vom bordcomputer verteilt. ich sehe jaegle immernoch ausgeschaltet und klar an der wand stehen. sie bleibt mit beschlagenem visier noch drinnen. kursaenderung. das flugzeug steigt ab. im heck quaelt schneider h4 mit elektroschocks. ich filtere das affenkreischen aus dem ohr und muss ueber nachahmungstriebe nachdenken. waehrend ich programmiere, werfen sich affenpranken gegen die scheibe. duenner rauch steigt in der box auf. ich amuesiere mich still ueber den verzweifelten tanz des echten affen. habe ich mich womoeglich in schneider getaeuscht? nanobots saeubern sofort den speichel vom sichtfenster. jaegle erwacht. als sie schneider vor dem tobenden tier sieht, faellt mir ihr name endlich ein. ich gebe die befehle durch. [pn]

in der werbung werden zigaretten nie angesteckt

vom hagel verschmierter strand. immer dieses zimmer. seltene b-seiten werden zu dieser jahreszeit am offenen fenster gehoert. ein beamer arbeitet an der entgegengesetzten wand, wirft staendige bewegung darauf. die frau verlaesst das fensterbrett, an dem ihre haut festklebt. sie denkt: du bist wie deine musik. keine strophen, nur refrain. der mann hustet langsam. die reine zeit faellt auf seine schultern. ihm wird kurz bewusst, das altern reines feststellen bedeutet. filter brechen. konjunktive euphorie schlaegt in ihm ein. violetter regen draussen. sie fragt ihn etwas, um distanz zu gewinnen. auf der fensterbrettoberflaeche verschwindet ihr temperaturunterschied im zeitraffer. sie hat den drang sofort ihre hose anziehen zu muessen. erst seine ruckartige bewegung entlaesst sie aus ihrer starre. sie erkennt, dass sie nicht mehr um seine erlaubnis bitten darf. er moechte ihr etwas beruhigendes sagen, aber tut es nicht. sie will diesen gedanken vergessen. das beamerbild zeigt eine gebäudesprengung. wieso schauen wir das? ihm wird kalt. beide ziehen sich an. ersatzhandlungen. sie finden eine vereinbare routine im augenblick. etwas praktisches hilft kurzzeitig. facecrying. wieso klingen sinnleere worte im englischen praegnanter? sie lachen darueber. seit einer halben stunden kippt der raum schon. sie hat jetzt endlich einen guten gedanken. er traegt in sich den krebs. aber dann kennen sie sich nicht mehr. ploetzlich schlaege auf dem dach. sproede aeste brechen ueber dem bungalow von den baeumen. spaeter ein streit, der nicht ernst genommen wird. betrunken gehen sie in den regen hinaus. es ist nur kalt, nicht spielerisch. sie geht schritte voran und spricht ueber chemische wettermanipulation. er loest seinen blick von ihrem hinterkopf. das meer ist weit zurueckgewichen. er ist froh, dass er ihre nassen haare mag. beim hindurchgreifen spuert er die frisch geschnittenen spitzen in seinen fingerzwischenraeumen. sie schuettelt ihn ab. der farbverlauf im himmel sieht kuenstlich aus. staendig eckige bewegungen am horizont. tote pixel. lichter kommen aus den duenen auf sie zu. er hat sich zum tablettenschlucken abgedreht. der regen faellt in handkantenschlaegen. sie lacht auf, als sie die kinder mit den laternen erkennt. freundlichkeit in der schaerfeverlagerung. er zaehlt bewusst die reihen ab, damit er nichts mehr vergisst und hebt beim weitergehen den mantel auf, der ihr zuvor von der huefte abrutscht. [pn]

vorspann

da wird etwas ins leere geworfen. in eine staubfreie umgegebung. sie haben das tageslicht erneut verpasst, denkt sie. das laufen in die nacht hinein bedeutet nichts. darf man nehmen, was man will? ich verstehe das nicht. nochmal. sie hoert die elektrostatische ladung im nebenzimmer. der ton des fernsehers ist abgeschaltet. sie bleibt auf der schwelle stehen. danke. die dunklen moebel sind mit plastikfolien abgedeckt. der deckenvenitaltor dreht sich gluecklicherweise. sie hat einen toten hier erwartet. stattdessen reibt sie in einem negativen gebet ihre handruecken aneinander. in ihren augen spiegelt sich der wunsch zu gehen. sie setzt sich in diesen schoenen raum. dies ist das land der kalten haende. sie faellt in sich zusammen. die moeglichkeiten verschieben ihr das puzzle. denken auf vorrat macht hier keinen sinn. sie steht jetzt und streckt sich. das schale leben fuellt sie wieder aus. eine gaensehaut geht ihr ueber den ruecken. ihr ichfeld um den koerper expandiert. sie greift nicht mehr ins leere, sie steht mit nackten fuessen auf der schwelle und handelt jetzt in wirklichkeit. [pn]

gestoerte wahrnehmung ist jetzt grundlage zur freiheit

hahaha. eines tages spaet in der zukunft. schneller, schneller chrom. an der roten ampel laufe ich den bullen in die arme. sie sind von der prozedur ebenso gelangweilt. meine plastikkarte wird durch das tragbare lesegeraet gezogen. drei uhr morgens. sie fragen nichts. wessen blick ist ausdrucksloser. ein wettbewerb laeuft, ohne fragezeichen. der ausweis wandert hin und her. der bulle sieht nicht, das er schon laengst abgelaufen ist. ich habe rueckenschmerzen, da ich dich am nachsten tag nach monaten wiedersehen werde. du wirst selbstgefaellig sein. das weiss ich in dem augenblick nicht, als ich den beiden frauen auf der strasse feuer gebe. alle wirken wie strohpuppen. ich frage mich, wieso wir uns versehentlich nicht selbst entzuenden. eine der frauen sagt, dass meine lederhandschuhe pycho wirken. sie will, dass wir im fernsehen steckenbleiben. wie auch immer. es wird geschehen. es ist schon schon geschehen. ich werde am naechsten tag an deine mattscheibe klopfen, aber nur rueckkopplungen meiner eigenen worte erhalten. genausogut haette ich zu mir selbst sprechen koennen, denke ich und gehe weiter. partikelsturm. oder erzwungene dramatik? zucke die haende im takt der musik. du liegst tausenzweihundert meter entfernt im bett und bist noch wach. auch wenn du schlaefst. wir haben einander ausprobiert. du denkst: ich brauch dich nicht. ich balle faeuste. faellt niemandem auf, dass zuviel polizei auf den strassen ist? du magst keine fragezeichen, aber nur weil du angst hast. angst vor der angst der anderen. doch auch moerder fuehren das leben von menschen. du wirst am naechsten tag im park einen bildartikel aus mir machen. etwas sehr durchdachtes. die essenz bis auf unkenntlichkeit herausfiltern. immer und immer wieder laeuft der gleiche song in meinen kopfhoerern. ich wollte heute nichts trinken. es war ein versehen. ich warte vergebens auf ein zeichen der versoehnung. hinter mir fallen die mauer erbost ein. schwachsinn. die nacht schlafe ich gut. traeume nichts, das beruhigt. schrecke panisch auf um auf die uhr zu schauen, in der angst dich zu verpassen. du gehst in letzter zeit sehr viel. das regt das denken an. ich mag das. du weisst nichts ueber mich.

zwischen den baeumen. viele spaziergaenger. herbst. jeder kann sich das vorstellen. die sonne scheint unpassend, als gaebe es nichts zu verlieren. spott faellt mit den blaettern. du traegst einen schoenen weissen schal. ich habe mich immer gefragt, ob der nicht kratzt. ich trinke einen kaffe aus einem pappbecher. die verkaeuferin laechelte mir zu. schoen. du kommst mit traenen in den augen an. bewegung ist besser als stillstand, denkt der idiot. irgendwo bellen hunde und schrecken voegel auf. wir hoeren und sehen es nicht. du rauchst. ausnahmsweise. natuerlich. ich hoere mich etwas sagen. wir sind aus unterschiedlichen gruenden aufgeregt. ein knopf an deinem mantel ist beinah abgerissen. du hast kleine rote flecke im gesicht. wir reden viel. doch eigentlich kaum. ich merke nicht, das ich in deine falle laufe. auf der bank schliesse ich spaeter die augen. die sonne waermt. ich sehe die augenwischerei deshalb nicht. stattdessen lasse ich deine anwesenheit in mich hineinsinken. rehe laufen ueber die wiese. du greifst mit einer hand in das gehege der tiere. ich sage etwas komisches, versuche den stress abzustreifen. du lachst aber nicht wirklich, das faellt mir tage spaeter auf. familien um uns herum, wie zum hohn. in deinen augen sehe ich einen blick, den ich eigentlich verstehe, aber uebergehen muss damit ich ganz bleibe. manchmal musste ich vor aufregung stottern, erinnerst du dich? vielleicht habe ich mir das auch nur ausgedacht. du bist wie eine sanduhr. es ist alles viel einfacher und leichter zwischen uns. das faellt dir nicht auf. man verhaelt sich oft aus dem kern heraus. begreift sich erst, wenn szenen schon abgespielt und worte gesagt sind. eine willkuer liegt darin. sie hat nichts mit der welt zu tun, da man selbst die welt ist. das selbstverstaendnis ist der motor, deckungsgleich mit sich selbst. im prinzip richtig. wir menschen haben uns viel ausgedacht. irritierend,dass es zuviel von allem gibt. abseits der analyse: fuck you. [pn]

lichtbogenofen

verachtung, die kokett wirken soll.
machs besser, sagt sie. er schweigt
– dein kleid ist okay.

[pn]

sie griffen hinaus, indem sie sahen was schon war, ohne dass es damals beunruhigte

olympia –
auferstehung der reinen gewalt.
obwohl die dystopie mit eilenden schritten eingeholt wird,
ist es seltsam still.
in den geschichtsbuechern der zukunft
werden fehler der gegenwart
dick markiert und in kapitel unterteilt werden –
`verfolgung der juden`gab es schon.

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falsche elegie

die stadt ist ein dekor. alles ist zum beginn gezwungen. wird errichtet, waechst in seiner organischen unbekuemmertheit. einem benzindraengen, seitwaerts und vorwaerts. ein bewegungskranz, der risse haelt. entlanglaufen an scharf geschnittenen kanten. kommunikation, die modern geworden ist. aktive sprache, die in einem selbst spricht. das bewusstsein als oberflaeche. keines meeres, sondern eines wasserglases. er hat die sarabande von haendel im musikspieler. electricity von omd danach. hierzu stehenbleiben. aufschauen und herunterbeugen. koerper als werkzeug und hindernis zugleich. der fruehling beginnt mit posen. menschen behangen mit vorstellungen. die vielheit irritiert. schnell entsteht der wunsch eine bagatelle aus allem zu machen. alles hat seine eigene bedeutung. die zusammenhaenge sind entscheidend. praeferenzen. sehnsuechte. die kalte angst. die positionierung greift heraus, wie musik, die stimmungen herstellt. gedankenschlaegerei, das befolgen von inneren befehlen. niemand versteht wieso er lebt. alle behaupten und schlagen schaedel ein, die beachtenswert geworden sind. [pn]

ozonkultur

das absteigende der guten sommerlaune. ich mag die hitze der entbloessten koerper nicht. zurschaustellungen, die etwas offensichtlich instinktives in sich zu tragen scheinen. keine frage des geschmacks oder gar festigkeit und anderer eigenschaften entscheidet ueber dieses urteil. zu tode gesonnt. die ausgeschaltete kopfkolonie, liegend auf dem satten gruen. empfaenglich fuer wind. bier. und zaghafte kuesse, wenn gemeinschaft gezeigt und gefeiert wird. fuer die augen der spoetter, gaffer und stauner der gruppe in der unschaerfe der masse. feuchter kuenstlichkeit gleicht der appell an die blondinenhaare. danach parole. baeume als zeugen, dazwischen kreuzende radfahrer, staendig auf der suche nach einem ort zum stehenbleiben. [pn]

der biomechanische arm bleibt etwas beschaemt hinter dem ruecken

partikulare anziehung. futuristisches gebaeude mit wasserflaechen davor. achtzigerjahrephantasie: jemand hoert ea80 und empfindet nichts dabei. die oberflaechen sehen aus wie glas. welch armseliger vergleich. spiegelungen von standardisierten bueromoebeln, fensterfressen. schritte sind selten, es wird mit vorbehalt auf den steg getreten. general electric. illuminatenzentrale. nachts noch besprechung im weisshemd auf bodenhoehe mit dem betrachter. undankbarer ausblick auf parkende wagen, die nicht dem jahrzehnt entsprechen. doch? das abfliessende wasser klingt erbaermlich im genussversagen. dies ist der beruhigende aspekt jeder massnahme. der menschliche makel haftet allem an. alles ist versuch, taeuschung und formulierung. das licht hingegen faellt gierig und unbestimmt. alles verzehrt sich nach droge. in mir eine bekannte leere. verstellte blicke, ich kann keine schoenheit, nur mechanik erkennnen. die strassenbahn schlaegt wie zur warnung elektrisches feuer auf die leitung. muss das unvollstaendige oft das beeindruckenste sein ? ich bemerke, wie ich mich kopiere, verschwenderisch. repetetiv. eine schale versiegelung lastet auf mir. perspektivische schwankungen. entscheidungsgerangel. innerlich hoffe ich, dass es vielen aehnlich geht, damit ich einen anstand mir selbst gegenueber wahren kann.

in den augenwinkeln beobachtet mich der wachmann, den ich mit dem ruecken betrachte. keiner von uns will sich im wasser wiedersehen. polizei omnipraesent. lichterlose kitschige stadt. heute kein obst essen wollen. ich zerstaube in einzelteile. sammle ungern auf. troeste mich mit luegen der auferstehung, wille um wille geworfen. augenschliessen beim ficken. das licht ist erbarmungslos ehrlich. ich hasse meine abschweifungen, uebertreibe damit ich etwas zum leben und erhalten habe. charakterstarrer pappkamerad. destruktionsclown. zweifelspeicher voll. fahrradfahrerdilemma. ich schaetze die entscheidung des abbiegens. immerhin gefaellt mir noch etwas – sagte er. ich fuehlte mich ertappt, da ich ihr erzaehlspiel sah und mich selbst als figur erkannte. [pn]

jeder mag sich ohne skrupel selbst entfalten

die fahrradkette greift nicht richtig. das gefaellt mir, da niemand anderes es fahren kann, der den rhythmus nicht beherrscht oder gierig eintritt in die pedale. keine beschreibungen notwendig. ein tag, an dem die sonne aufging. beschlagene supermarktscheiben. zustimmung ist die neue verneinung. uns bleibt nicht mehr viel uebrig. nicht weil sie versagte, sondern weil sie gelungen ist, kommt die aufklaerung gegen den wahn nicht an. damit entfaellt die hoffnung, die seit kant auf strenge erkenntnis gesetzt wurde. statt der vernichtung in der angst des nichtgeliebtwerdens das grossprojekt der heimzahlung – fuer dich suche ich mir eine andere sprache aus, keine sorge. da bleibt alles flach und zufaellig. ich fuhr an dir vorbei, erinnerst du dich?

ich erinnere mich. du sasst im grass und hast vielleicht auf jemanden gewartet. dein haar lag viel zu symmetrisch links und rechts deines kopfes. es sah nicht gut aus. eine papiertuete stand an deiner seite. ich kann mir nicht vorstellen, was in ihr war. ich habe zu kurz hingesehen. dutzende male bin ich durch die gegend gelaufen, auf der suche nach dir. aufmerksamkeit ist eine willkuerliche eigenschaft. menschen sterben unfalltode, da sie augenblicke von der sonne geblendet werden. da gibt es keinen schuldigen. letztendlich spielt es keine rolle.

ich habe die hand gehoben und gleichzeitig meinen kopf schon abgedreht um nach vorne zu schauen. ich war sehr wuetend. deinen ausdruck habe ich nicht erkannt. mir stattdessen mehr entgegen – kommende spaziergaenger gewuenscht, damit mein verhalten nachvollziehbar und menschlich wirkt. ich musste jedoch niemandem ausweichen. die reifen drehten leichtgaengig. beschleunigungsverhalten in mir und nicht in den radachsen.

spaeter lag ich selbst auf einer decke und habe in den himmel gestarrt, da nichts anderes vorhanden war. schwalben ganz oben, gewittermuecken in der mittelschicht. in meinen augaepfeln schwebe – teilchen durch den harten kontrast. ein bier habe ich wohl getrunken. fundamentaler wiederholungszwang. ich lachte darueber und tat so, als haette ich irgendetwas verstanden : das echte ist der satellit der simulation.

als dann die hundebesitzer mit umgehaengten leinen und leichtfertigen blicken an mir vorbeigingen und ich ploetzlich begann auch auf sie wuetend zu werden, verstand ich zwischenzeitlich doch etwas. es war okay, dass ich nicht immer bewusst entscheiden konnte welchen wahrnehmungskegel ich in die welt warf. uerberbietung bedeutet das gleichgewicht des schreckens durch die steigerung des schreckens auszugleichen. mir wurde klar, dass es am besten waere, wenn die hunde mich und die anderen parkbesucher nerven und am besten noch anpissen wuerden. obwohl durchschaut bleibt doch alles oft beim alten. ich stellte mir vor, dass es fuer dich viel erschreckender gewesen war mich wiederzusehen. manchmal kann man sich nicht vom fernsehen unterscheiden, auch wenn man es tatsaechlich boykottiert. tv-liebe. wir sind selbst als menschen diese medien der erstarrung. aehnlich unwendig. diese behauptungen taten gut, da selbst schon hegel wusste, dass alles im fetisch des kopfes endet. ich waere gerne zurueck zu dir gefahren und haette dir diese frage gestellt, ohne hallo oder guten tag zu sagen. ich habe es nicht getan.

laut youtube moegen selbst viele vierzehnjaehrige tom waits. es gibt hier diese grundsaetzliche retrospektive tendenz der hochachtung vor dem vergangenen. wir scheinen unsere gegenwart als kollektiv zu verachten. dabei kann ich sie sogar gut verstehen. ich musste jedoch fuer diesen altertuemlichen saenger selbst erst ein gewisses alter erreichen. anfuehrungsstriche oben. an diesem abend habe ich einige lieder von ihm gehoert. sie haben mir gefallen, weil der pathos in ihnen schnell abfaellt und nur noch reine ehrlichkeit bleibt. waits nennt lieder menschliche werkzeuge. er hat wohl recht. ich habe bei einem song geweint, da ich kein erschrecker fuer dich sein wollte – stattdessen wuenschte ich mir ueberraschung und zuversicht fuer dich. kurz darauf, als haette ich nichts gelernt –

abenddaemmerung. ich sehe den photographischen blitz, hinten an der baumgrenze. ich weiss, dass du jetzt dort stehst. irrationale anschuldigung: du drehst erst den kopf und lachst danach. [pn]

das komische, das nicht lachen macht

ich wuenschte ich haette dich oefter photographiert, noch fuehle ich dieses du. die erfahrung zeigt, dass selbst menschen austauschbar erscheinen. mein abschliessender ernst und eine fragwuerdige mischung meiner persoenlichkeit macht mich zu einem guten steigbuegel, an mir wird charakter geschaerft, ich ziehe bei dem gedanken meine zehen zusammen. [pn]

neon

ich moechte heute abend nicht frieren. es geht ihr so leicht von den lippen. in der klinischen kneipe gibt es in die tische eingelassene schalen, damit die mitgebrachten gegenstaende von der oberflaeche verschwinden. das ist so modern, sagt sie und haelt den arm, als sei es ihr nie zuvor aufgefallen.
sie zittert, als er ihre hand beruehrt – sie denkt sich diese formulierung dazu. er lacht zu seinem arbeitskollegen herueber, zeigt bizeps, verzichtet auf das augenzwinkern. der mantel stuelpt sich ueber sie. hineinstossen ins taxi. kniegriffe. spoettisches trinkgeld. radiorauschen beim aussteigen. sattes schmatzen der tueren – in deutschland mercedes. der fahrer verlaesst den wendehammer.

sie traut sich nicht nach den rueckleuchten zu schauen. waehrend des krieges sind die scheinwerfer blau angemalt, sagt er und tut so, als haette er keine gedanken gelesen. sie mueht sich charmant zu sein, dabei ist sie bloss muede. gib mir was zu trinken, sagt sie noch auf dem kies.

er findet die schluessel nicht. sie liegen im taxi. die kette hat er schon vor jahren abgelegt. er denkt ans joggen beim telefonieren, lehnt sich erst leicht gegen das treppengelaender, kurz darauf, stehhockerposition wie in den tagesthemen. nora steht mit den absaetzen im kies, schaut ein loch in die szene.

minuten. der fahrer biegt um die ecke. fernlicht blendet das illusorische paar. der wagen atmet, dampft. klopfen an die scheibe. das elektrische fenster oeffnet sich um einen spalt. fuenfzig euro, sagt der fahrer. nora wechselt das standbein, als ihr potentieller partner mit der blossen hand die fensterkante greift und daran brechen will. gequetschte schreie, der fahrer lacht, steigt auf der anderen seite wieder aus. nora entzuendet eine zigarette als die schluessel im hohen bogen ins dickicht fallen. sie schweigt, als der fahrer den rueckwaertsgang einlegt und die scheinwerfer ausschaltet.

[pn]