Alle texte in ‘junkieausrede’



schlechtes denken & benehmen

frueher habe ich aschenbecher geschenkt bekommen, dann gab es sonnenbrillen. jetzt warte ich auf veraenderung. die frauen stellen sich mit dem ruecken an die heizung und versuchen sich zu waermen, drehen sich, so dass vorder und rueckseite aufgeladen werden. es ist nicht kalt im raum. schnitt. irgendjemand zieht die flugzeuge vor dem fenster empor, es droehnt im minutentakt. hast du noch nie ein flugzeug gesehen? der fragende muss sich aufhalten, er darf sich dabei nicht am kopf kratzen. das sieht dumm beim fragen aus. ich sage, nein, habe ich nicht. mit dieser antwort haben wir beide nicht gerechnet. das gespraech scheint zu verebben. es tut mir leid, wenn ich heute nicht gespraechig bin. [ wer sagt oder denkt das? ] wir trinken tee oder kaffee, oder beides. seltsam, dass ich die zigarette alleine rauche. ich wuenschte es anders. gleich vorbei. ich begleite sie zur tuer, wir stocken in sprache und bewegung, als sei das videoband schon alt. es wird auch immer wieder ueberspielt. du sitzt seit langer zeit nicht mehr vor dem fernseher, die fernbedienung ist kalt. du bist schon hinausgegangen. [pn]

disko

lachfalten um ein schlankes bajonett. am finger ein pflaster. frauen in rockwellen, die sich anbieten. nur einem unbekannten , der sie verstoeren kann. ansonsten sind sie lebendig, schlagen die beine aus, weil sie gehen. jeder trittschallgedaempfte schritt fuehrt zu einer begegnung. jedes umschlagen des getragenen schals, mit einer handbewegung, die troesten soll, bleibt reine geste. es wird nicht kaelter in dem raum, nur stickiger. die personen atmen ihren rausch nach dramen, kuehlfluessigkeit fuer unumgaengliches verhalten. die sorgen in balance. greifbare schwaechen, die zu tugenden verwaessert werden. das annaehern ist gewaltakt.haltungen bleiben, obwohl die menschen gegangen sind. an den wasserflaschen erkennt man die gier nach leben, ohne das wissen um den grund. wir erteilen uns mit nickbewegungen verstaendnis und entlassen aus den augen den glanz der morgenroete. [pn]

90-60-90

blaesse. alle sind an diesem abend an eine saeule gelehnt, verschwenden sich, waehrend eine rolltreppe nebenan geraeusche von sich gibt, als sei sie etwas besonderes. auch die maschinen haben einen trockenen stolz. wo figuren in maenteln noch grosse gesten machen, sind andere in einer wegbeschreibung verfangen. auf der rolltreppe dehnen sich ihre gelenke. ich schaue mich um, die ubahnstation ist ein schlachthaus mit gruenen kacheln. wir haben eines gemeinsam in dieser nacht, wir wollen nach hause. die buecherschlauen und die mit den ellenbogen. der alkohol oder das leben macht muede. sind wir die bewohner dieser stadt, auch abseits der gleise auf festen schienen montiert ? beim sprechen nur manchmal im geist einen satz wiederholen, einen gedanken vorbereiten. stattdessen bestimmungen suchen, nase ruempfen, scheinbar wissen, was man macht. die angst aus gedanken von anderen zu bestehen, rekombinationswut erlauben, zwischen lust und unlust pendeln. hast du das in der zeitung gelesen ? hoer auf damit.

[pn]

lass uns hunde suchen, die das auffressen

die depression schluckt ihre kinder. ich, als archetyp, wir schlendern so herum, alles glueht, produkt in meinem kopf. die anderen kichern, frueher noch kokosoel in der nase von ihren haaren, die asymmetrisch in ihre gesichter fallen. straehnenbombardement. ich, erfolglos auf tranquillizern, gefangen auf einem boot. klandestine versuche sinn herzustellen, nach etwas zu lechzen, sorglosigkeit ist beachtenswert, deshalb scheue ich die arroganz mehr und mehr. verklebt im inneren, die deutungsversuche bleiben die eines irren, selbstmedikation. so krank dass selbst der rhythmus der tabletten reinigt und erhaben wirkt. als mensch schon in eine apathie getaucht, die man selbst erschafft. windlichter werden abgerissen, kuerzere tage. sonnenstuerme. kohlendioxid an den fenstern, kinder malen fratzen hinein. wenn gesprochen wird, dann nur im passiv, die stimme seltsam entfernt und hohl. der zustand schwingt offensichtlich mit heraus. klappstuhlsymptomatik, als waere das fass schon uebergelaufen. keine parks bedeutet keine spaziergaenge, keine strassen, heilung durch fortschreiten, dazulernen. die haende schoen schwach, werkzeuge der muedigkeit. der weg, der fuehren laest. die handlung wird zum klischee, der untergang dann eine feier. kampfeslust und zornesroete. kopfstand, damit das blut in den schaedel laufen soll. plastikbezuege, sogar die worte trichteroeffnungen, aus demselben verstand entsprudelt der kern der krankheit. wozu der wunsch nach auferstehung, wenn die heilung selbst praemisse wird und ohne anstrengung gefordert ? dies bedarf einer kontrolle des gesichtsfeldes und fuehrt hinaus in kantenverzerrte wirklichkeit. [pn]

morgen silvester

eine schmiere liegt auf ihnen , auf der szenerie. eben noch sind glassplitter von ihren beinen abgefallen. jetzt halten sie den kopf so senkrecht, wie es nur geht. hoffnung trotz schlechter musik. schneidige gesichter, die turbine lauft. eigentlich stehe ich an der theke , fuehre keine gespraeche. halte mich nur unterschiedlich lange an orten auf. das bier ist billig, traegt keine nutzen.

in einer anderer kneipe sehe ich dich , wie du laeufst und gehen willst , dass ich gekommen bin schadet uns beiden. ich warte ab, bis die anspannung so gross geworden ist, dass ich ungluecklicherweise zu dir gehe und dich begruessen will. du drehst deine augen zweimal herum, dann deinen koerper, du sagst , dass du keine lust darauf haettest. es kraenkt mich, faltet, rueckwaerts falle ich zurueck. sehe dich , mit umgebundenem schal die rampe heruntersteigen, durch die roten scheiben. [pn]

die bilder im museum werden abgenommen

der schmetterling brennt. ich sehe ihn durch die hitzewellen steigen, ich wache auf. der traum ist schwarzweiss gewesen, abgezogen auf barytpapier. der fixateur hat noch nicht gewirkt. photos haengt man nur im film auf waescheleinen, sie wuerden sonst verschmieren.man legt sie in eine elektrische presse unter leinen, von der dampf aufsteigt.dort werden sie wirklich trocken, so schnell , dass man sie weglegen kann und nicht mehr anschauen muss. das telefon klingelt in der ecke. ich stehe auf und schaue die anzeige an. dann stelle ich es lautlos. wie oft habe ich diese handbewegung schon gemacht? in der kueche drehe ich die kanne, setze kaffee auf und gehe zaehne putzen, oeffne vorher das fenster ,um die hitze aus dem zimmer zu entlassen. ich sehe, dass ich vergessen habe die heizung herunterzudrehen. sie strahlt. waehrend ich am fenster stehe kreuzen flugzeuge den himmel, die voegel auf der birke blicken neidvoll nach oben. nachts ist fuer drei stunden der flughafen gesperrt. selbst die voegel schlafen dann. kerosin ist der wurm des stahlvogels. macht ihn nur kurz satt. die fenster beschlagen, als sei der raum mit atmern gefuellt. luftaustausch, physik fuer benutzer. manchmal fliegt eine elster gegen die scheibe, dabei habe ich seit dem einzug vor drei monaten noch nie die fenster geputzt. so klar muss die umwelt nicht zu sehen sein. die industrie sagt wahrscheinlich etwas anderes. beim anziehen geht der reissverschluss der hose kaputt. ich fluche und lasse sie liegen. der kaffee schmeckt gut, passt zur zweiten zigarette. ich muss meine miete zahlen. reibe mit der hand mein gesicht, presse dabei die zunge gegen die vorderzaehne. setze einen zweiten kaffee auf.

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liegen bleiben & still sein

an dem zerren der mundwinkel erkennt man das unbehagen. sie schieben mich in eine roehre hinein. meine augen sieht man auch draussen, ich schaue nicht in den panikspiegel ,schliesse sie. hoere das pochen auch durch die ohrstoepsel, die roehre summt, zwanzig minuten lang. die frequenzen aendern sich, erst ein hoher und schrillen ton. dann flaechig, wird es zu einem pulsieren. es beruhigt beinah, ist nicht so eng wie ich gedacht habe. nach einiger zeit bewegt sich die liegeflaeche, mein kopf ist immer noch in der fixierschale eingeklemmt, eine schwester tritt an mich heran. sie ist schoen und noch jung. ich halte ihr gerne den arm hin, eine blaue manschette legt sie um, bis blau auch eine vene heraustritt. die kurzwelligen blauanteile im licht werden reflektiert, das langwellige rot absorbiert. kontrastfluessigkeit wird in mich gespritzt. fuer mich bleibt.sie geruch und geschmacklos, unsichtbar.durch meine gefaesse wird mein hirn nun farbig, kapillaren oeffnen sich, blubbern , es schmerzt nichts in dieser diagnostik. einzig das kleine einstichloch im arm zeigt etwas, ist bedeckt von einem weissen pflaster, “damit es keinen bluterguss gibt”, sagt die junge schwester, die blond ist. in diesem augenblick nimmt sie mir meine sorgen ab. ich hoffe mehr, dass sie nicht laechelt ueber meinen schmalen arm.

[pn]