lasst euch alle aufs rotieren ein



man kann sich auch im trueben licht betrachten, denkt der mann und fasst sich zur sicherheit in sein kranichgesicht. lassen sie die kleidung ruhig an, sagt er und hebt das kinn, als wuerde sein kopf nach vorne fallen. ich sollte jetzt nicht muede sein, sagt er, gerade laut genug, dass ihn die prostituierte hoert. sie hat die beine nicht uebereinander geschlagen, doch der kranichmann verspuert keinen reiz. er hat durst. die frau unterbricht ihn: wollen sie mir einen namen geben? sie haben schon fuer eine stunde bezahlt und glauben sie mir, ich muss nicht gerettet werden. von ihrer sorte kommen jede woche zwei.

im raum, der schuhkastenfoermig den schall schluckt und nur platz fuer das bett und eine kleine kommode laesst, wird es still. der elektrische strom selbst ist hoerbar, in den waenden klopfen andere sich den frust aus ihren koerpern, leiten ihn in fremde knochen. du bist meine tochter, sagt der mann beim aufstehen, die bettkante lehnt sich zurueck. die frau kann jetzt sehen, dass er eine ganz schmale nase traegt, kurz und bescheiden. als er weiterspricht glaubt sie erst an eine luege, an den witz eines perversen. seine unlust ist dafuer zu echt. sie wusste, dass sie adoptiert wurde und bei fremden aufgewachsen ist. die waren gut zu ihr, aber immer still. immer leise, dass sie in den raeumen der elterlichen wohnung – stiefeltern, unterbricht sie der kranich, stiefeltern – sie verbessert sich und bejaht , waehrend sie im abgetrennten nassbereich die eigene gesichtsform abgleicht. ihr faellt erneut nur diese stille ein, die dumm und hohl war. als kleines maedchen musste sie deshalb schon zwingend laut sein. wurde ermahnt in dieser gruft zu leben, beruehrt nur von badezimmerkacheln, vom besteck mit langen griffen oder den gelben teetassen. in der hand lag nichts, staendig begleitet vom blick der zaudernden und immer verschreckten mutter, die tagelang im bett gelegen hat, als anabelle dann spaeter weglief. laut war sie beim hinaustreten aus der korktuer, die gewalt der geraeuschkulisse in dieser nacht beschlug ihr dicht die trommelfelle.

ich kenne dein leben nicht, sagt der mann, kann dir auch nichts geben, weil ich selbst nichts habe. wir koennen an der ecke einen kaffee trinken, im bratendunst, mit stoerenden anderen, die uns die begegnung zermalmen wollen. sich im gedaechtnis einbrennen, durch ihre grobheit. staendig zum ueberstreichen unserer vorsichtigen bilder bereit, da sie sehen, dass unser schluck vom becher, dein blick, meine armbewegung und unser atemzug unwiederholbar sind. im licht wirst du sehen, dass ich anders bin und gleichzeitig nicht besser als jeder andere mensch auf deiner bordsteinkante.

als es an der tuer klopft wissen beide nicht in welcher reihenfolge sie gesprochen haben. ergaenzt und ein wenig gluecklich sich wenigstens in dieser haelfte zu begreifen, bewahren die worte anabelle davor mit dem vater zu gehen, den raum wirklich zu verlassen. stattdessen blickt sie in den papiergefuellten abfalleimer.

[pn]