rotor

liebste […] die schutzbeduerftigen schreiten voran. die jungen, die nichts geworden sind, werden nichts mehr. sie koennen kaum die beine heben, bleiben in der erde stecken. nadelregen faellt. die offiziere lassen sich von huren zusammenklappen. vom feldherrenhuegel erscheinen die maenner wie punkte, sie zerfallen, sfumato. letzte woche waren wir zu hause, bei den frauen aus angst. zum glueck hat keiner kinder. im generalskarton: porzellantassen werden fuer die tiere geliefert. dieses weiss schreit uns an, schlaegt uns die zaehne aus der fresse. unsere vorgesetzten zoegern beim sprechen, haben einen sekundenatem, wenn sie uns verschleudern. jemand hat ein akkordeon mitgebracht, doch wir hoeren lieber das radio. dort werden uns tausend kuesse versprochen. die zahlengitter auf den landkarten erobern wir. planquadrat um planquadrat. allein die farbe rot erregt. die huren tragen rouge und lippenstift, den will ich verschmiert sehen am kinn der kameraden, die in die granaten laufen. aufgehaengte leiber um stacheldraht und panzerketten gelegt. so viel pulverdampf, dass man nicht atmen kann. frontpriester segnen unsere gewehre, pruefungen, die bestanden werden sollen. wir kennen den feind nicht. ich schlafe schlecht, weil immer neue zuege kommen, aus denen schlotternd maenner aussteigen. bleich bei der ankunft, bleich beim wegfahren. ich sage dir, die sind nicht mehr als draehte oder zwiebelschalen. kuesse dich aus erbarmungsloser entfernung, […]
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chiaroscuro
Thursday June 08th 2006, 19:41
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[pkw-serie]
sonne, 5600 kelvin, an der ampel trete ich einen schritt vor und lasse mich von einem vierzigtonner niederwalzen.
der koerper hat keine zeit, das gummiprofil zerreisst die haut, zwischen den gelenkstangen eingeklemmt schmiert die
bremsung mein fleisch auf die strasse. menschen kreischen, sind mir fremd, jemand weint, weil er soetwas nur aus
dem fernsehen kennt. die traenen kommen, da man immernoch das gesicht erkennt und einen ausdruck, den ich selbst
studieren wollte. doch man haelt mir keinen spiegel vor, nicht in diesem moment.
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verbietet kinderlieder
die polizisten kehren abends wieder, werfen ihre muetzen und schultern an die haken. zurueck in die wohnungen. teller stehen bereit, hausschuhe gleiten ueber gruenes linoleum. aludeckel abziehen. sich spaeter unter eine aludecke legen.
sie fragt: wie war dein tag?
er : gut. heute nur ein paar kinder vom aphalt gescheucht. die wollten nur knieknacken spielen.
die liebste runzelt die stirn.
sie : knieknacken? was fuer ein spiel ist das?
der polizist laechelt jetzt, weil er etwas erklaeren kann. streckt sich einmal den ruecken,atmet beim essen regelmaessig ein.
er: es gibt ein schoenes lied dazu, das alle dabei singen. hoer mal: such dir ein schoenes stueck asphalt. spring hoch so fest du kannst, zieh dann deine beine an und lass die knie knacken !
die frau zieht den vorhang zur seite und zuckt leicht. der polizist hoert auf zu singen.
sie sagt: meinst du das man es auch unter laternenlicht spielen kann?
da nimmt der polizist hektisch die muetze vom haken und die trillerpfeife von der ablage. er schafft es gerade noch den
letzten bissen herunterzuschlucken. dann eilt er heraus.
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