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die fluchtlinien fuehren immer ins aesthetische. das ist der kerngedanke seiner ausfuehrungen. er versucht ihr dies die ganze zeit in der warteschlange zu sagen. stattdessen hoert er sich selbst, bla bla bla. ich beneide die astronauten, die gleichzeitig musik hoeren und auf die erde zurueckschauen koennen, sagt er in einem letzten versuch. die menschen, die in einem solchen augenblick zusaetzlich musik brauchen, tun mir leid, antwortet sie. er laechelt, wechselt die wahrnehmungsschicht.
das foyer ist unvorteilhaft hell ausgeleuchtet, so dass der raum beinah nach innen gefaltet erscheint. die ewig gleichen rundtische aus marmorimitat stehen dicht an der theke, sind mit zerrissenen faechern aus kinoprogrammen bedeckt. schwarzer stuhllack blaettet klassisch ab. der zustand wird besuchern als charme verkauft. womoeglich glauben einige sogar daran, waehrend sie aus schmutzigen tassen trinken. nadeldruckerlaerm. die kassiererin faehrt storno, hat ungewollt zu viele karten ausgedruckt. ein einzig grosser irrtum, denkt sie.
in der schlange verteilen die maenner ihre geistreichen anekdoten auf erhoehter lautstaerke. mindestens einen fremden muessen sie damit erreichen, nutzlasten werden im kritischen bereich ausgefahren. die damen nicken beim leichten wegdrehen, gehen jetzt oft zur toilette. andere ertragen es, weil sie wenigstens gehalten werden wollen. gluecklich ist wer schweigen lernt. alle haben ihre geschichten mitgebracht, fuellen die atemluft. weiche gefuehlsturbinen. das personal schaut waehrenddessen noch nicht einmal auf. papier wechselt besitzer. warenausgabe. die rechenmaschine protokolliert gewinnmargen in mais. die besucher wissen, wie es hinter den kulissen zugeht. sie haben berichte im fernsehen gesehen. es gibt keine geheimnisse mehr.
sie hat sich waehrend der beinrasur ein muttermal weggeschnitten. es lenkt sie gerade ab, sie versucht das pochen wegzudenken. hoffentlich fragt er nicht, ob mir etwas fehlt.
sie stehen nebeinander. keiner von ihnen koennte eine beruehrung ertragen. schritt fuer schritt treiben sie voran, bis zum kartenabriss. danach wird der gang beschleunigt. er zieht sie am arm hinterher. moderne in echtzeit. die karten sind nicht nummeriert. sie laufen jetzt, pressen den druck aus den lungen, stossen sich trotzig am teppich ab. hinter ihnen die beine der verfolger. schreie. der flur verengt sich. endet in gruenen doppeltueren. hier lachen sie frisch mit zaehnen in die kamera und halten die getraenkedose hoch. sie fuehlt sich richtig gut, hat lust dies jemanden zu erzaehlen.
beim eintreten in den samtbeschlagenen vorfuehrsaal haben sie sich beinah beruhigt. er fuehlt nach seinem portemonaie und schluessel. gluecklicherweise hat er nichts vergessen. ein stein faellt ihm vom herzen. sie setzen sich auf eines der freistehenden sofas. alle regulaeren kinositze sind herausgerissen. das ist konzeptkino, um besucher von ihren grossbildschirmen und lichtwerfern wegzulocken. viele heben erstaunt die augenbrauen, nachdem sie eingetreten sind. stolzgeschwillte brust. na, habe ich dir nicht zuviel versprochen?
das paradoxe ist, dass es sich in fernsehen verwandelt, denkt er und fuehlt erneut nach dem portemonaie, als er die jacke ablegt. hast du schmerzen vom laufen? fragt sie und klappert mit den augen. nein, antwortet er, lass uns lieber still werden. sie versucht verstaendnis zu sammeln. sollte er nicht ein bisschen intelligenter und beeindruckender sein? dennoch, die reklame beginnt puenktlich. das erste raunen geht durch die sofareihen. bildgewalt und dramatische musik wirken zugleich.
der zeppelinwerbefilm war schoen, fluestert sie, als das saallicht wieder aufleuchtet. sie meint, dass erst gewoehnung die praktischen anteile einer sache wirklich oeffnet und sichtbar werden laesst. zeppeline seien in frueheren zeiten vorschnell und unueberlegt abgelehnt worden. er gibt ihr recht und schaut zur notausgangsleuchte. eis wird schon lange nicht mehr im kino verkauft, sagt er.
aber sie haben immerhin einen gong. der mann, der sie die ganze zeit aufmerksam beobachtet und zugehoert hat, zwinkert ihnen mit linkem auge anmassend zu. er sagt: das ist doch die hauptsache! sie lachen gemeinsam in voller vorfreude auf den film.
gibst du mir deine jacke? fragt sie. ihr ist bereits kalt. die klimaanlage, sagt er, stimmts? es stimmt. er mahnt sich, nicht mehr an das portemonaie zu denken. das licht erlischt stottend in den treppenstufen, die falschen kronleuchter folgen. schau mal, sie stoesst ihn mit dem spitzen ellenbogen an, die haben noch echte kerzen an den waenden. im daemmerlicht kann er kurz den lichtmeister elegant mit dem kerzenloescher arbeiten sehen.
nach der grossen vorstellung sprechen sie ausgelassen und voneinander unbeeindruckt ueber den hauptfilm, haben sogar ergaenzende meinungen darueber. sie schnipst und sagt: kein streit! sie lachen wieder, ohne den grund zu kennen. es gehoert sich so.
die kleinen peinlichkeiten machen das leben doch erst wertvoll, sagt der zudringliche mann, als er dicht an ihnen vorbeigeht. leider habe er jetzt einen termin. beim abschied hebt er bloss nachlaessig seinen hut. der aufraeumer kommt ihnen entgegen. eigentlich sammelt er bloss flaschen und verpackungen, manchmal muss er kuessenden auf die schultern tippen.
eine zigeunergruppe spielt jetzt streichinstrumente im foyer. volksfeststimmung. er denkt gewagt ueber den weiteren abend nach, ueberlegt, was er sie fragen soll. variante eins. hast du lust noch etwas trinken zu gehen? vielleicht einen rorschachtest dabei zu machen? sie scharrt spielerisch mit dem schuh, klappt ihre handtasche auf, ohne darin etwas suchen zu wollen. variante zwei. wir koennen uns auch die explosion der challenger auf video anschauen. die dabei enstehenden kuenstlichen rauchwolken haben hohen wiedererkennungswert. sie sind sozusagen charakteristisch,also ein ereignis mit dem wir nichts zu tun haben, uns aber damit identifizieren wollen. er stellt fest, dass er eine neue metaphorik braucht, um seine wirklichkeit auszuformen. sie merkt, das jetzt ein ueberstrapaziertes element in den raum eingedrungen ist, versucht ihn deshalb mit einer beleidigung zu schockieren. hoert denn das schoene gar nicht mehr auf? denkt sie. waehrenddessen hat er das gefuehl zu viel sehnsucht an die raumfahrt zu verschwenden.
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als wir den waldweg verlassen schaltet er das mitgebrachte radio aus. tragbares privates, sagt der dealer, das ist die grosse gegenwart! erst jetzt sehe ich, dass er mit einem gps-geraet navigiert. jeder ist heute steuermann. ich verurteile ihn nicht. ich war auch nie bei den pfadfindern. vergeblich versuche ich mich an die moosregel zu erinnern, mit der man die himmelsrichtung feststellen kann. faustregel, daumenregel. durchschnitt. bolz schleudert den ast ins dickicht hinein. mir ist schlecht. ich frage mich, ob wir den wagen vorhin wirklich abgeschlossen haben, aergere mich ueber die zurueckgelassene wasserflasche.
natuerliche knallteufel. unsere schuhe treten auf hartgefrorene erdstuecke, die sich knackend oeffnen und weiches inneres entlassen. anscheinend hat alles eine oberflaeche. der dealer erzaehlt jetzt etwas ueber die letzte documenta. von der renaissance gottes und falscher befangenheit vor sich selbst. er ist toleranzmuede, wie so viele unserer generation. wenn es nach ihm ginge, wuerde er sich am haertesten bestrafen. ohne zu wissen, was er bereits geschluckt hat, fuehle ich trotzdem ekel vor seiner falschen euphorie in mir aufsteigen. ich kann nur noch an die packung denken und krieche deshalb in mich zurueck, ziehe dabei die tuer lautlos zu. immerhin hat belz aufgehoert sich staendig das gesicht zu reiben. seine telefone klingeln im minutentakt. er drueckt die kunden immer wieder weg. ich muss an schlaeger denken, die opfer von sich schubsen und dabei komm her! schreien.
waldgeraeusche durch temperaturwechsel. the sound of nature, wie belz sagt. wir graben abwechselnd mit blossen haenden und teilen uns die letzte zigarette dabei. der dealer hat vergessen, wie tief der stoff liegt. als mensch ist er sich seiner staendig bewusst. seine koerperhaltung wirkt immer gestellt. belz raucht die kippe nass, rueckt sich die brille auf die nase zurueck. eine unangenehme hektik liegt in der szene. unter meinen fingernaegeln wird es kalt. ausser einem tristen ohrwurm ist mein kopf leer.
nachdem wir uns ein briefchen geteilt haben, schweigen wir erwartungsgemaess. belz wirft portionen in seinen rucksack. er merkt nicht, dass er duemmlich summt. wir verwischen das loch und gehen weiter. auf einer lichtung finden wir abgeschnittene baumstaemme, die mit neonmarkierungen uebersaeht sind. holzfaellergeheimnisse. fuer alles gibt es eine subkultur. ich habe lust zu lachen, schaffe es aber nicht richtig. wir setzen uns, finden jedoch nichts zum zuruecksinken. die staemme sind zu glitschig und zu rund. ich hasse es high zu sein. die gefuehle und ideen stroemen in mich zurueck. einerseits und andererseits. dampf steigt vom waldboden. ein passendes bild fuer meine lebensvermutungen. in entfernung hoere ich eine unsichtbare autobahn. belz richtet beim gehen die schultern auf. ein arm haengt schlaff an ihm herab.
der dealer zeigt mir seine verklemmte faust. die finger haben sich tief ins fleisch der handflaeche gebohrt. belz lacht und sagt, dass er epileptiker ist. einbeinig balanciert er jetzt im gruen und fischt aus seiner jacke etwas pulver heraus, um es auf die wunde zu streuen. wunde, fragt er, oder wunder ? ich schwitze. belz beginnt mich zu stoeren, gleichzeitig habe ich mitleid mit ihm. ich sollte mir diesen trost eigentlich fuer mich selbst aufsparen, denke ich. das gehen tut wieder gut, obwohl es mich vor augenblicken langweilte. der dealer ist aus meiner sicht verschwunden.
als ich ihn wiederfinde, steht er am rand einer illegalen muellkippe. dutzende plastiktueten liegen zwischen halbgeoffneten kuehlschraenken, zerissenen einkaufswagen und buntem glas. es raschelt vor ratten. die sonne ueber uns ist ruhig geworden. belz steht ebenfalls atypisch still vor einigen kleidungsstuecken, die im dreck liegen. es macht mich nervoes soetwas zu finden, sagt er, ohne sich umzudrehen. gut. ich koennte sein gesicht jetzt sowieso nicht ertragen. irgendwie bin ich erleichtert. wenigstens bringt ihn seine angst noch zum schweigen. aufgeweichte werbeprospekte bedecken den boden. ich frage belz, ob er manchmal eine der lachenden personen darin sein moechte. nein.
lass uns gehen, bevor wir hier noch einen toten finden, sagt belz. schaum klebt in seinen mundwinkeln. sein drogenrucksack wirkt jetzt wie ein schultornister. ich sehe belz mutter foermlich im kuechenfenster stehen und ihm hinterherschauen. manchmal vergisst sie seine brote einzupacken und laeuft dann auf die strasse hinaus. es ist belz damals peinlich. heute denkt er nicht daran.
meine beine sind im stehen eingeschlafen. der dealer setzt sich stumm auf seine eigenen hacken. er hat stressschatten im gesicht, bereitet deshalb eine frische portion vor. eine sehnsucht nach bedingungsloser wirklichkeit beginnt in mir zu wachsen. ich sehe mich bereits klar und deutlich bei zukuenftigen richtigen handlungen, waehrend ich es gleichzeitig verstehe fehlern geschickt aus dem weg zu gehen. es ist doch alles recht einfach. in vorbereitung auf den lichtdurchlaessigen neubeginn schaue ich auf mein telefon, um erst einmal den wochentag zu erinnern. ein duesenjaeger zerkratzt ueber uns den himmel. der dealer reisst sofort den kopf nach oben und will beinah einsteigen. ich habe das starke gefuehl bereits an diesem ort gewesen zu sein. als ich belz gaehnend beruhigen will, erkenne ich hinter ihm, unter blauen muellsaecken, einen fahlen duennen koerper. gleich sage ich es belz und werde mit dem finger darauf zeigen.
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angespitzte nerven weit entfernt
im punkt winkel angemessen
voegel singen hundelaerm
bewegungsfreudig die agenten
leben bekannte konturen
in kanadischer haerte ruck zur vorsicht
glatte farbe ist jetzt im wagen ausgekippt
luegen ergeben sich perfektem sinn.
[pn]

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