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		<title>retrowahrheit</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Jul 2009 17:54:36 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[blaue eckige kuehltruhenreihe. davor ein monitor mit nachrichtenbildern. in ihm stadtmeldungen. statt dyson-sphaeren werden bloss schuttrutschen in den angrenzenden fabriken im akkord gebaut. demolierwut? ha ha, sagt der auspacker im supermarkt. er schaut wieder kurz zum aufsteigenden kalten dampf, um davon aesthetisch verwirrt, aber dann unbeeindruckt die pappschachteln weiter in das eisfach zu stapeln. pizzadreck, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>blaue eckige kuehltruhenreihe. davor ein monitor mit nachrichtenbildern. in ihm stadtmeldungen. statt dyson-sphaeren werden bloss schuttrutschen in den angrenzenden fabriken im akkord gebaut. demolierwut? ha ha, sagt der auspacker im supermarkt. er schaut wieder kurz zum aufsteigenden kalten dampf, um davon aesthetisch verwirrt, aber dann unbeeindruckt die pappschachteln weiter in das eisfach zu stapeln. pizzadreck, denkt er und zerreisst ploetzlich das innere geistige mosaik. er vergisst sein komplettes leben. besser dies, als nichts zu fressen. der auspacker ignoriert die rauschende menschheitsgeschichte zugunsten seiner gegenwart, in der die haende mehr der kaelte, als dem angeblich erhaltenswerten zusammenhang fuehlen. der clinch von oeffentlicher und privater erzaehlung. der auspacker braucht keinen namen. im supermarkt wird er nicht danach gefragt. karton um karton. haehnchenteile mit rosa abbildungen, auf denen die erzwungene petersilie mit auf dem teller liegt. serviervorschlag aus scham? vielleicht sollte man nur nach rezeptvorschlaegen leben. trugschluss. nach dem aufreissen versinkt die falsche phantasie. die zusammengefrorenen fleischteile liegen orange in plastik und realisieren sich nun tumultartig, entbloessen die unzulaenglichkeit des realen. kurz wird das offensichtliche eingestochen. klein a. vulgaer ist bloss der eigene schock, sich beim erkannten selbstbetrug zu ertappen, denkt der auspacker, um danach eilig im verdraengten zu verschwinden. </p>
<p>im markt sind die gangreihen fruehmorgens noch leer. niemand summt. bloss unscharfe bewegungen der kunden. alles ist in hypnotischer hochgeschwindigkeit gedreht. die wenigen schreiten wie durch ein mausoleum. sie drehen sich auf den hacken und achten alles in unterdrueckter erregung, sind froh den toten gegenstaenden als verzehrer zu begegnen und verzeihen sich dabei schubweise die lust, strafen und beleidigen sich sonst mit verzichtsgesichtern. auf der foerderbahn der kasse ist der  striptaese der lebensfuehrung hingegen schon reine gewohnheit. im stehen trinkt der auspacker einen kaffeeersatz aus dem maschinenspender. strahlende produktion. zehn minuten spaeter. backstage die taegliche palettenbefreiung. so viele ertraeumen sich einen blick hinter die fernsehstudiofassade, so wenige meiner arbeit zuzuschauen, denkt auspacker und schneidet mit dem teppichmesser die bunten plastikrippen der verschweissten ware durch. er trennt einen regenbogen. falsch, da dies sich aendert , denkt auspacker. es gibt sendungen ueber ordnungsdienst und zaehlerleser. der auspacker will auch woanders arbeiten. er wuerde sich anstrengen. bewerbungen wuerde er schreiben. alsbald. anbei schicke ich ihnen meinen lebenslauf. dem auspacker ist seine situation klar. er befindet sich hier, wie ein migrantenkind, bereits in zementierten fiktionen des staatapparats. es gibt fuer ihn programme. auspacker fragt sich, aus welchem grund die politiker eigentlich immer nur beste fuer alle wollen und es behaupten? niemand fragt sie. der auspacker denkt an sein bewerbungsgespräch zurueck. an die ueberheblichkeit des armseligen filialleiters. die politiker sollten jedes jahr ihre motivation oeffentlich aussprechen, denkt auspacker und lacht ueber die geschmacklosen tiere auf den cornflakespackungen des discounters. </p>
<p>die papierpresse wird jetzt beladen. piktogramme weisen den weg. achtung! ein lkw faehrt draussen ab. kaltlichtgewitter der deckenroehren. alle leben sich selbst, denkt auspacker, und lassen sich dabei gern taeuschen. er freut sich auf den feierabend, da er die abgelaufenen lebensmittel dann wegschmeissen darf. auspacker muss dann oft grundlos vor dem abschliessbaren container lachen. noch nicht freuen, denkt er mahnend und tritt durch metalltueren in den supermarkt zurueck. auspacker sieht sofort, wie sich die verspiegelte tuer des kontrollraums oeffnet und zwei finger seines leiters wuetend an die decke zeigen. einge videokameras sind schon seit zwei tagen defekt. kuemmer dich doch selbst darum, du faules arschloch, denkt auspacker. </p>
<p>er steckt sich einen induktionshoerer ins ohr. eine wissenschaftssendung laeuft. der mond entfernt sich jedes jahr um 4 cm von der erde. wieso wird diese flucht von niemanden bedauert? im konservenlaufgang runzelt auspacker trotzdem die stirn, als ein anzugtraeger ihn direkt anspricht oder anzusprechen scheint. auspacker kann sich nicht konzentrieren. wenigstens beginnt der tag im radio stetig und immerwaehrend sicher. spricht der kunde, das radio oder meine stimme? denkt auspacker. es gilt als charmant meine sendungen zu ende zu hoeren, sagt der radiomoderator ihm jetzt ins ohr. der auspacker irrt jedoch gewaltig. der etikettenversunkene kunde hat ihn in seiner meditation gar nicht wahrgenommen. in wirklichkeit fuehlt sich der kunde nur aus den augenwinkeln  dem kitteltraeger ueberlegen und geniesst stattdessen. treffsicher landet deshalb ein statement in seinem einkaufswagen. [pn]</p>
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		<title>gefaehrder</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Jul 2009 17:53:39 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[selbst die bodenflaeche stiess ihn jetzt ab. mirek ging das gekuehlte treppenhaus hinauf, waehrend eine lautsprecherstimme verhaltenshinweise in den raum blies. die taschen niemals stehenzulassen, sondern immer nur in den eigenen haenden zu halten, war ihr befehl. nichterbrachte zugehoerigkeiten wuerden sofort geahndet werden. die stimme war seicht und betoerend, gehoerte also zweifelsfrei einer fetten und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>selbst die bodenflaeche stiess ihn jetzt ab. mirek ging das gekuehlte treppenhaus hinauf, waehrend eine lautsprecherstimme verhaltenshinweise in den raum blies. die taschen niemals stehenzulassen, sondern immer nur in den eigenen haenden zu halten, war ihr befehl. nichterbrachte zugehoerigkeiten wuerden sofort geahndet werden. die stimme war seicht und betoerend, gehoerte also zweifelsfrei einer fetten und haesslichen frau. mirek war  sich sicher. mit der unbandagierten hand zog er den schulterriemen des rucksacks fester, um stufe um stufe einzeln zu steigen. neonlichtroehren an graubetonierten waenden, zwischendurch zahlenschilder, die hinter den schallisolierten tueren die geraeusche des kaufhauses verschluckten. bullaugen aus panzerglas. statt anspannung nur langeweile im herzen. mirek schuettelte den edding um gehend eine linie achtlos gerade auf die feingekoernte wand zu zeichnen. wir wollen alle etwas hinterlassen, dachte er. andere kehlen durchschneiden. wieviel hast du noch von uns, wenn du kommst, jesus? </p>
<p>unsicher, wieso er an diese esoterische figur dachte, drueckte er unbequem zielstrebig  die tueren zur hoechsten ebene auf. not macht erfinderisch. sofort gab ihm die pneumatik ihre kraft hinzu. einige anzeigen zeigten in nebenraeumen ein gruenes licht. gummidichtungen rieben an den raendern dafuer ab. ein tuerpfleger kommt bestimmt. es gibt heute fuer alles eine typenbezeichnung. </p>
<p>der laerm im transitgang war jetzt so stark, dass mirek ihn ins unterbewusstsein schieben musste. dumpfes fade in. quietschende sohlen auf marmorimitat. hunderte von gespraechen gleichzeitig zerstueckelt. der anstrengende ton des bienenstocks. ekelerregend. viele menschenstimmen klingen selten harmonisch, sind immer ein ungelenker kompromiss. doch ein zuviel ist immer gut. emotionalisierter dreck selbst beim starren auf die computerladebalken. screen shit. mirek floss jetzt gluecklich in der menschenmenge mit. wie ein morsches treibholz auf der wasserflaeche. die atmosphaere machte ihn vollends besoffen. innerlich schmatzte er vor begeisterung. nicht das schoene bunte. das sichere war bewunderswert. mirek verstellte seinen gang. jetzt war er endlich noch gleicher. die freude krampfte ihm dafuer die linke hand fest zu. in der von architekten offenflaechig gestalteten passage stand eine soldatenschulter an jeder ecke. dazu  soldatenschelte in den umherrirrenden biologischen augen. alles war bloß gut gemeint. an ihren seiten schwebten dauerfilmende videodrohnen. die gibt es noch nicht. bewegungsscanner schon. trotzdem besser zu boden schauen. wem dies zu schnell ist, sollte sich stets lieber selbst, statt anderen etwas beweisen. so dachte mirek und sah sich in den glatten flaechen tausendfach gespiegelt. viel gute sauberkeit, lachte er auf. darauf koennen wir zu recht stolz sein. [pn]</p>
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		<title>wollen mitten finden</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Jun 2009 17:52:06 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[schlechte filme beginnen mit erwachen. schlechte geschichten mit personenbeschreibungen. schlechte menschen sind mit regelwerken behangen. sie machen sich laecherlich indem sie ihre scheuklappen bei jeder begegnung neu straffen und am scharfen sichtrand vorbeischauen. artig und gefraessig zugleich. akkordeonmusik begleitet die schritte. objekt und betrachter muessen ploetzlich eckig gehen, damit verstaendlichkeit in alle elemente zurueckgeschuettet wird. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>schlechte filme beginnen mit erwachen. schlechte geschichten mit personenbeschreibungen. schlechte menschen sind mit regelwerken behangen. sie machen sich laecherlich indem sie ihre scheuklappen bei jeder begegnung neu straffen und am scharfen sichtrand vorbeischauen. artig und gefraessig zugleich. akkordeonmusik begleitet die schritte. objekt und betrachter muessen ploetzlich eckig gehen, damit verstaendlichkeit in alle elemente zurueckgeschuettet wird. die entstehenden wirklichkeiten strahlen parallel aneinander vorbei. alle bekannten worte werden zum formulieren von wahrheiten verbraucht. vielleicht sind wir innen beschaedigt und wuerden unter anderen umstaenden aufmerksamer sein, genauer sprechen und tuechtig nachdenken? </p>
<p>hans stellt fest, dass ihn der eigene verstand hier im halbschlaf truegen will. er hat jetzt vor sich auf die reinen sinne zu konzentrieren. hinter den vorhaengen arbeitet die stadt wie unter granatenbeschuss. hans schlaegt muede seine augen auf. setzt sich aufrecht ins bett. er ist in kleidung eingeschlafen. graue hose mit weissem hemd und brandloechern. marschmusik im radio. hans arbeitet fuer den staat, der stark und allmaechtig ist, aber trotzdem lediglich herr ueber ein plastikreich. hans isst waehrenddessen sein fruehes brot. vor den fenstern explosionen. all der zukunftskitsch ist endlich da. hologrammbespannter werbehimmel und  freischwebende wagen, die die welt vollstaendig kartographiert haben. unter gleichen roboterhieben, die hans die nahrung in fabriken bereiten. rotorenlaerm. hans schuettelt den kopf und legt das notizbuch zur seite. er schreibt seit gestern seine traeume auf. tumult und autohupen vor dem haus. diesmal hat er naiv von der zukunft getraeumt. lachend stoesst er erleichtert die luft aus. bis auf die arbeit in der ueberwachung ist alles erlogen. laehmungsgefuehle. er haelt sich erschrocken am tuerrahmen und holt den sauerstoff. hans spuert nach jahren wieder seinen herzschlag.  </p>
<p>ein lastwagen faehrt am hochhaus vor. holzpaletten sinken knirschend in den kies.  die moebelpacker heben jetzt einen weissen fluegel von der pneumatischen hebeflaeche. der besitzer steht verstoert einige meter abseits und schlaegt seinen kragen hoch, als es zu regnen beginnt. eilig wird die plastikabdeckung verstaerkt. dazu schallender arbeiterjargon. in einem halbkreis um die entladung sind menschen auf die knie gesunken. die traenen steigen ihnen in die augen. ihre kinder zerren ungeduldig an den ausgestreckten armen. die freudenschreie werden unterdrueckt. niemand von ihnen hat ein instrument gesehen. in andacht verfroren achten sie nicht auf regenstiche.  </p>
<p>hans weint, als er den fluegel aus seinem fenster sehen kann. damals hat er das gerede auf den hausfluren nicht ernst genug genommen. er schlaegt sich zur strafe mit der faust ins gesicht und muss den kopf ueber die kuechenspuele halten, da blut duenn aus der nase fliesst. er aergert sich, dass er jetzt gezwungen wird ueber dem becken zu bleiben. gleichzeitig ist er froh darueber sofort gehandelt zu haben. nichts soll im inneren als reue zurueckbleiben. er schaut zur uhr und ins becken zu den blutwirbeln, die im wasser verschwinden. minuten seines lebens vergehen. er mueht sich dabei ruhig zu bleiben und zaehlt die fliesenlfugen. </p>
<p>ledergurte finden position in glaenzenden karabinerhaken. der fluegel steigt langsam im regen. zeigefinger strecken sich. der vorsteher arbeitet ausschliesslich in grossaufnahmen. qualtitaet bringt geld und macht selbst reiche schwach. er hat bei dem gedanken einen steifen. dieser vorplatz ist seine verdiente buehne. wohlwollend dreht er mit dem koerper zuegige halbkreise um sich dem herbeigestroemten fensterpublikum entgegen zu drehen. eine hand waescht schliesslich die andere. muskelspannung dank tv-erfahrung. durch das staendige scheibenoeffen drehen sich sonnenreflexionen ueber den platz, die gesichter dabei uebersteigen. zuschauer oeffnen darin erste bierflaschen. die kronkorken werden meist heruntergeworfen. es macht keinen unterschied. alles findet seinen platz. [pn]</p>
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		<title>das gefuehl sich selbst die hand zu geben</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Jun 2009 17:51:03 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[gewerbegebiet. die wagentueren stehen offen. emmas schuhe stampfen auf dem parkplatzboden. sie dreht sich eng im licht der frontscheinwerfer. details. die jeans reicht ihr ueber die schuhe. nur du traegst diese hosen, denkt georg und muss ihre unterarme festhalten. trotzdem findet sie ihn. schlaege treffen ins gesicht. emmas ring schneidet ihm warm die lippe auf. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>gewerbegebiet. die wagentueren stehen offen. emmas schuhe stampfen auf dem parkplatzboden. sie dreht sich eng im licht der frontscheinwerfer. details. die jeans reicht ihr ueber die schuhe. nur du traegst diese hosen, denkt georg und muss ihre unterarme festhalten. trotzdem findet sie ihn. schlaege treffen ins gesicht. emmas ring schneidet ihm warm die lippe auf. er nimmt die wunde in den mund. emma reisst sich schlagartig los. georg kann nur die knisternde jacke in bewegung hoeren. im wagen liegt der brief immernoch auf der ablage. laternenlicht von oben. er kann ihre reflektierenden augen kurz zwischen den haaren sehen. sie hat einen schal um den kopf gebunden. ihre ohren werde schnell kalt. scheibenwischer kippen trocken hin und her. ein helles polizeauto faehrt im hintergrund vorbei. der fahrer hupt, als er die szene entdeckt. beamte steigen jetzt mit schnellen schritten aus. ein fernsehteam folgt ihnen mit kopflicht und eingeschalteter kamera. sie werden sich nicht die kleidung vor trauer einreissen. gleich sind sie da. georg stellt fest, dass er lautlos weint. er sieht emmas ruecken in der silbergruenen diskojacke atmen. immer wieder muss er darauf den schriftzug lesen.  </p>
<p>dieselmotorlaerm. nicht auf den ruecksitz schauen. emma raucht mit tauben fingern. jetzt ist es egal. boese blumen wachsen ihr im hals hinauf. emmas kopf steckt im schraubstock. sie schaut nicht zum eingeschlagenen fenster, vor dem georg empfangbare sender im rauschen sucht. er ueberdreht. zugluft faellt geruchlos in den fahrenden wagen. halt irgendwo an, sagt emma. georg hat die absicht zu nicken, stattdessen nur ein abgebrochens wort, das wie ein ja klingen soll. </p>
<p>leichter schneefall. meinst du, dass sie hier videokameras haben? sie schaut auf die andere strassenseite. emma hofft, dass es endlich im fond schreit. dann koennte sie ihre handlungen noch aufhalten. das kind ist still. georg sagt nein. er zwingt sich zu beherrschen und oeffnet als erster die tuer. scherben knirschen unter seinen fuessen. er muss um den wagen zur beifahrertuer herumgehen. als er sich herunterbeugt, um emmas bein per hand herauszustellen, stoesst sie ihn erbost von sich fort. schnee faellt ihm kalt in den kragen. emma nimmt die sporttasche vorsichtig vom ruecksitz. georg folgt ihr mit abstand, als sie die leere strasse ueberqueren. vor der klappe sehen sie sich seit langer zeit wieder in die augen. er denkt an muelleimer. emma hebt das warme buendel aus der tasche heraus. wie verabredet legen sie es gemeinsam in das bettchen, das dem gewicht leicht nachgibt. eine bunte spieluhr haengt darin. stiller alarm. der raum dahinter ist kahl, eine einzelne triste tuer an der wand. als sich georg umdreht, sieht er wie emma auf der strasse die spuren im weiss verwischt. </p>
<p>vier haende zittern. wir koennen nicht mit dem bus dahinfahren, sagt sie im flur, mach einmal etwas richtig. emma haelt eine kleine jacke. georg nimmt einen hammer aus der werkzeugkiste und geht auf die strasse herunter.    </p>
<p>[pn]</p>
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		<title>albedo</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Jun 2009 17:49:20 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[die fluchtlinien fuehren immer ins aesthetische. das ist der kerngedanke seiner ausfuehrungen. er versucht ihr dies die ganze zeit in der warteschlange zu sagen. stattdessen hoert er sich selbst, bla bla bla. ich beneide die astronauten, die gleichzeitig musik hoeren und auf die erde zurueckschauen koennen, sagt er in einem letzten versuch. die menschen, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>die fluchtlinien fuehren immer ins aesthetische. das ist der kerngedanke seiner ausfuehrungen. er versucht ihr dies die ganze zeit in der warteschlange zu sagen. stattdessen hoert er sich selbst, bla bla bla. ich beneide die astronauten, die gleichzeitig musik hoeren und auf die erde zurueckschauen koennen, sagt er in einem letzten versuch. die menschen, die in einem solchen augenblick zusaetzlich musik brauchen, tun mir leid, antwortet sie. er laechelt, wechselt die wahrnehmungsschicht.   </p>
<p>das foyer ist unvorteilhaft hell ausgeleuchtet, so dass der raum beinah nach innen gefaltet erscheint. die ewig gleichen rundtische aus marmorimitat stehen dicht an der theke, sind mit zerrissenen faechern aus kinoprogrammen bedeckt. schwarzer stuhllack blaettet klassisch ab. der zustand wird besuchern als charme verkauft. womoeglich glauben einige sogar daran, waehrend sie aus schmutzigen tassen trinken. nadeldruckerlaerm. die kassiererin faehrt storno, hat ungewollt zu viele karten ausgedruckt. ein einzig grosser irrtum, denkt sie. </p>
<p>in der schlange verteilen die maenner ihre geistreichen anekdoten auf erhoehter lautstaerke. mindestens einen fremden muessen  sie damit erreichen, nutzlasten werden im kritischen bereich ausgefahren. die damen nicken beim leichten wegdrehen, gehen jetzt oft zur toilette. andere ertragen es, weil sie wenigstens gehalten werden wollen. gluecklich ist wer schweigen lernt. alle haben ihre geschichten mitgebracht, fuellen die atemluft. weiche gefuehlsturbinen. das personal schaut waehrenddessen noch nicht einmal auf. papier wechselt besitzer. warenausgabe. die rechenmaschine protokolliert gewinnmargen in mais. die besucher wissen, wie es hinter den kulissen zugeht. sie haben berichte im fernsehen gesehen. es gibt keine geheimnisse mehr.  </p>
<p>sie hat sich waehrend der beinrasur ein muttermal weggeschnitten. es lenkt sie gerade ab, sie versucht das pochen wegzudenken. hoffentlich fragt er nicht, ob mir etwas fehlt.</p>
<p>sie stehen nebeinander. keiner von ihnen koennte eine beruehrung ertragen. schritt fuer schritt treiben sie voran, bis zum kartenabriss. danach wird der gang beschleunigt. er zieht sie am arm hinterher. moderne in echtzeit. die karten sind nicht nummeriert. sie laufen jetzt, pressen den druck aus den lungen, stossen sich trotzig am teppich ab. hinter ihnen die beine der verfolger. schreie. der flur verengt sich. endet in gruenen doppeltueren. hier lachen sie frisch mit zaehnen in die kamera und halten die getraenkedose hoch. sie fuehlt sich richtig gut, hat lust dies jemanden zu erzaehlen. </p>
<p>beim eintreten in den samtbeschlagenen vorfuehrsaal haben sie sich beinah beruhigt. er fuehlt nach seinem portemonaie und schluessel. gluecklicherweise hat er nichts vergessen. ein stein faellt ihm vom herzen. sie setzen sich auf eines der freistehenden sofas. alle regulaeren kinositze sind herausgerissen. das ist konzeptkino, um besucher von ihren grossbildschirmen und lichtwerfern wegzulocken. viele heben erstaunt die augenbrauen, nachdem sie eingetreten sind. stolzgeschwillte brust. na, habe ich dir nicht zuviel versprochen? </p>
<p>das paradoxe ist, dass es sich in fernsehen verwandelt, denkt er und fuehlt erneut nach dem portemonaie, als er die jacke ablegt. hast du schmerzen vom laufen? fragt sie und klappert mit den augen. nein, antwortet er, lass uns lieber still werden. sie versucht verstaendnis zu sammeln. sollte er nicht ein bisschen intelligenter und beeindruckender sein? dennoch, die reklame beginnt puenktlich. das erste raunen geht durch die sofareihen. bildgewalt und dramatische musik wirken zugleich. </p>
<p>der zeppelinwerbefilm war schoen, fluestert sie, als das saallicht wieder aufleuchtet. sie meint, dass erst gewoehnung die praktischen anteile einer sache wirklich oeffnet und sichtbar werden laesst. zeppeline seien in frueheren zeiten vorschnell und unueberlegt abgelehnt worden. er gibt ihr recht und schaut zur notausgangsleuchte. eis wird schon lange nicht mehr im kino verkauft, sagt er. </p>
<p>aber sie haben immerhin einen gong. der mann, der sie die ganze zeit aufmerksam beobachtet und zugehoert hat, zwinkert ihnen mit linkem auge anmassend zu. er sagt: das ist doch die hauptsache! sie lachen gemeinsam in voller vorfreude auf den film. </p>
<p>gibst du mir deine jacke? fragt sie. ihr ist bereits kalt. die klimaanlage, sagt er, stimmts? es stimmt. er mahnt sich, nicht mehr an das portemonaie zu denken. das licht erlischt stottend in den treppenstufen, die falschen kronleuchter folgen. schau mal, sie stoesst ihn mit dem spitzen ellenbogen an, die haben noch echte kerzen an den waenden. im daemmerlicht kann er kurz den lichtmeister elegant mit dem kerzenloescher arbeiten sehen.</p>
<p>nach der grossen vorstellung sprechen sie ausgelassen und voneinander unbeeindruckt ueber den hauptfilm, haben sogar ergaenzende meinungen darueber. sie schnipst und sagt: kein streit! sie lachen wieder, ohne den grund zu kennen. es gehoert sich so. </p>
<p>die kleinen peinlichkeiten machen das leben doch erst wertvoll, sagt der zudringliche mann, als er dicht an ihnen vorbeigeht. leider habe er jetzt einen termin. beim abschied hebt er bloss nachlaessig seinen hut. der aufraeumer kommt ihnen entgegen. eigentlich sammelt er bloss flaschen und verpackungen, manchmal muss er kuessenden auf die schultern tippen.  </p>
<p>eine zigeunergruppe spielt jetzt streichinstrumente im foyer. volksfeststimmung. er denkt gewagt ueber den weiteren abend nach, ueberlegt, was er sie fragen soll. variante eins. hast du lust noch etwas trinken zu gehen? vielleicht einen rorschachtest dabei zu machen? sie scharrt spielerisch mit dem schuh, klappt ihre handtasche auf, ohne darin etwas suchen zu wollen. variante zwei. wir koennen uns auch die explosion der challenger auf video anschauen. die dabei enstehenden kuenstlichen rauchwolken haben hohen wiedererkennungswert. sie sind sozusagen charakteristisch,also ein ereignis mit dem wir nichts zu tun haben, uns aber damit identifizieren wollen. er stellt fest, dass er eine neue metaphorik braucht, um seine wirklichkeit auszuformen. sie merkt, das jetzt ein ueberstrapaziertes element in den raum eingedrungen ist, versucht ihn deshalb mit einer beleidigung zu schockieren. hoert denn das schoene gar nicht mehr auf? denkt sie. waehrenddessen hat er das gefuehl zu viel sehnsucht an die raumfahrt zu verschwenden. [pn]</p>
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