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	<description>[ literaturjournal fuer neugleichen text ]</description>
	<pubDate>Thu, 07 May 2009 00:12:23 +0000</pubDate>
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		<title>retrowahrheit</title>
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		<pubDate>Thu, 07 May 2009 00:12:23 +0000</pubDate>
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blaue eckige kuehltruhenreihe. davor ein monitor mit nachrichtenbildern. in ihm stadtmeldungen. statt dyson-sphaeren werden bloss schuttrutschen in den angrenzenden fabriken im akkord gebaut. demolierwut? ha ha, sagt der auspacker im supermarkt. er schaut wieder kurz zum aufsteigenden kalten dampf, um davon aesthetisch verwirrt, aber dann unbeeindruckt die pappschachteln weiter in das eisfach zu stapeln. pizzadreck, [...]]]></description>
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blaue eckige kuehltruhenreihe. davor ein monitor mit nachrichtenbildern. in ihm stadtmeldungen. statt dyson-sphaeren werden bloss schuttrutschen in den angrenzenden fabriken im akkord gebaut. demolierwut? ha ha, sagt der auspacker im supermarkt. er schaut wieder kurz zum aufsteigenden kalten dampf, um davon aesthetisch verwirrt, aber dann unbeeindruckt die pappschachteln weiter in das eisfach zu stapeln. pizzadreck, denkt er und zerreisst ploetzlich das innere geistige mosaik. er vergisst sein komplettes leben. besser dies, als nichts zu fressen. der auspacker ignoriert die rauschende menschheitsgeschichte zugunsten seiner gegenwart, in der die haende mehr der kaelte, als dem angeblich erhaltenswerten zusammenhang fuehlen. der clinch von oeffentlicher und privater erzaehlung. der auspacker braucht keinen namen. im supermarkt wird er nicht danach gefragt. karton um karton. haehnchenteile mit rosa abbildungen, auf denen die erzwungene petersilie mit auf dem teller liegt. serviervorschlag aus scham? vielleicht sollte man nur nach rezeptvorschlaegen leben. trugschluss. nach dem aufreissen versinkt die falsche phantasie. die zusammengefrorenen fleischteile liegen orange in plastik und realisieren sich nun tumultartig, entbloessen die unzulaenglichkeit des realen. kurz wird das offensichtliche eingestochen. klein a. vulgaer ist bloss der eigene schock, sich beim erkannten selbstbetrug zu ertappen, denkt der auspacker, um danach eilig im verdraengten zu verschwinden. </p>
<p>im markt sind die gangreihen fruehmorgens noch leer. niemand summt. bloss unscharfe bewegungen der kunden. alles ist in hypnotischer hochgeschwindigkeit gedreht. die wenigen schreiten wie durch ein mausoleum. sie drehen sich auf den hacken und achten alles in unterdrueckter erregung, sind froh den toten gegenstaenden als verzehrer zu begegnen und verzeihen sich dabei schubweise die lust, strafen und beleidigen sich sonst mit verzichtsgesichtern. auf der foerderbahn der kasse ist der  striptaese der lebensfuehrung hingegen schon reine gewohnheit. im stehen trinkt der auspacker einen kaffeeersatz aus dem maschinenspender. strahlende produktion. zehn minuten spaeter. backstage die taegliche palettenbefreiung. so viele ertraeumen sich einen blick hinter die fernsehstudiofassade, so wenige meiner arbeit zuzuschauen, denkt auspacker und schneidet mit dem teppichmesser die bunten plastikrippen der verschweissten ware durch. er trennt einen regenbogen. falsch, da dies sich aendert , denkt auspacker. es gibt sendungen ueber ordnungsdienst und zaehlerleser. der auspacker will auch woanders arbeiten. er wuerde sich anstrengen. bewerbungen wuerde er schreiben. alsbald. anbei schicke ich ihnen meinen lebenslauf. dem auspacker ist seine situation klar. er befindet sich hier, wie ein migrantenkind, bereits in zementierten fiktionen des staatapparats. es gibt fuer ihn programme. auspacker fragt sich, aus welchem grund die politiker eigentlich immer nur beste fuer alle wollen und es behaupten? niemand fragt sie. der auspacker denkt an sein bewerbungsgespräch zurueck. an die ueberheblichkeit des armseligen filialleiters. die politiker sollten jedes jahr ihre motivation oeffentlich aussprechen, denkt auspacker und lacht ueber die geschmacklosen tiere auf den cornflakespackungen des discounters. </p>
<p>die papierpresse wird jetzt beladen. piktogramme weisen den weg. achtung! ein lkw faehrt draussen ab. kaltlichtgewitter der deckenroehren. alle leben sich selbst, denkt auspacker, und lassen sich dabei gern taeuschen. er freut sich auf den feierabend, da er die abgelaufenen lebensmittel dann wegschmeissen darf. auspacker muss dann oft grundlos vor dem abschliessbaren container lachen. noch nicht freuen, denkt er mahnend und tritt durch metalltueren in den supermarkt zurueck. auspacker sieht sofort, wie sich die verspiegelte tuer des kontrollraums oeffnet und zwei finger seines leiters wuetend an die decke zeigen. einge videokameras sind schon seit zwei tagen defekt. kuemmer dich doch selbst darum, du faules arschloch, denkt auspacker. </p>
<p>er steckt sich einen induktionshoerer ins ohr. eine wissenschaftssendung laeuft. der mond entfernt sich jedes jahr um 4 cm von der erde. wieso wird diese flucht von niemanden bedauert? im konservenlaufgang runzelt auspacker trotzdem die stirn, als ein anzugtraeger ihn direkt anspricht oder anzusprechen scheint. auspacker kann sich nicht konzentrieren. wenigstens beginnt der tag im radio stetig und immerwaehrend sicher. spricht der kunde, das radio oder meine stimme? denkt auspacker. es gilt als charmant meine sendungen zu ende zu hoeren, sagt der radiomoderator ihm jetzt ins ohr. der auspacker irrt jedoch gewaltig. der etikettenversunkene kunde hat ihn in seiner meditation gar nicht wahrgenommen. in wirklichkeit fuehlt sich der kunde nur aus den augenwinkeln  dem kitteltraeger ueberlegen und geniesst stattdessen. treffsicher landet deshalb ein statement in seinem einkaufswagen. </p>
<p>[pn]</p>
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		<title>gefaehrder</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Apr 2009 10:03:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>[textkollektor]</dc:creator>
		
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selbst die bodenflaeche stieß ihn jetzt ab. mirek ging das gekuehlte treppenhaus hinauf, waehrend eine lautsprecherstimme verhaltenshinweise in den raum blies. die taschen niemals stehenzulassen, sondern immer nur in den eigenen haenden zu halten, war ihr befehl. nichterbrachte zugehoerigkeiten wuerden sofort geahndet werden. die stimme war seicht und betoerend, gehoerte also zweifelsfrei einer fetten und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img id="image530" src="http://www.textkollektor.de/wp-content/images/textkollektor_gefaehrder.jpg" alt="textkollektor_gefaehrder.jpg" /><br />
</p>
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selbst die bodenflaeche stieß ihn jetzt ab. mirek ging das gekuehlte treppenhaus hinauf, waehrend eine lautsprecherstimme verhaltenshinweise in den raum blies. die taschen niemals stehenzulassen, sondern immer nur in den eigenen haenden zu halten, war ihr befehl. nichterbrachte zugehoerigkeiten wuerden sofort geahndet werden. die stimme war seicht und betoerend, gehoerte also zweifelsfrei einer fetten und haesslichen frau. mirek war  sich sicher. mit der unbandagierten hand zog er den schulterriemen des rucksacks fester, um stufe um stufe einzeln zu steigen. neonlichtroehren an graubetonierten waenden, zwischendurch zahlenschilder, die hinter den schallisolierten tueren die geraeusche des kaufhauses verschluckten. bullaugen aus panzerglas. statt anspannung nur langeweile im herzen. mirek schuettelte den edding um gehend eine linie achtlos gerade auf die feingekoernte wand zu zeichnen. wir wollen alle etwas hinterlassen, dachte er. andere kehlen durchschneiden. wieviel hast du noch von uns, wenn du kommst, jesus? </p>
<p>unsicher, wieso er an diese esoterische figur dachte, drueckte er unbequem zielstrebig  die tueren zur hoechsten ebene auf. not macht erfinderisch. sofort gab ihm die pneumatik ihre kraft hinzu. einige anzeigen zeigten in nebenraeumen ein gruenes licht. gummidichtungen rieben an den raendern dafuer ab. ein tuerpfleger kommt bestimmt. es gibt heute fuer alles eine typenbezeichnung. </p>
<p>der laerm im transitgang war jetzt so stark, dass mirek ihn ins unterbewusstsein schieben musste. dumpfes fade in. quietschende sohlen auf marmorimitat. hunderte von gespraechen gleichzeitig zerstueckelt. der anstrengende ton des bienenstocks. ekelerregend. viele menschenstimmen klingen selten harmonisch, sind immer ein ungelenker kompromiss. doch ein zuviel ist immer gut. emotionalisierter dreck selbst beim starren auf die computerladebalken. screen shit. mirek floss jetzt gluecklich in der menschenmenge mit. wie ein morsches treibholz auf der wasserflaeche. die atmosphaere machte ihn vollends besoffen. innerlich schmatzte er vor begeisterung. nicht das schoene bunte. das sichere war bewunderswert. mirek verstellte seinen gang. jetzt war er endlich noch gleicher. die freude krampfte ihm dafuer die linke hand fest zu. in der von architekten offenflaechig gestalteten passage stand eine soldatenschulter an jeder ecke. dazu  soldatenschelte in den umherrirrenden biologischen augen. alles war bloß gut gemeint. an ihren seiten schwebten dauerfilmende videodrohnen. die gibt es noch nicht. bewegungsscanner schon. trotzdem besser zu boden schauen. wem dies zu schnell ist, sollte sich stets lieber selbst, statt anderen etwas beweisen. so dachte mirek und sah sich in den glatten flaechen tausendfach gespiegelt. viel gute sauberkeit, lachte er auf. darauf koennen wir zu recht stolz sein. </p>
<p>[pn]</p>
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		<title>wollen mitten finden</title>
		<link>http://www.textkollektor.de/2009/02/19/wollen-mitten-finden/</link>
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		<pubDate>Wed, 18 Feb 2009 23:18:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>[textkollektor]</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[


schlechte filme beginnen mit erwachen. schlechte geschichten mit personenbeschreibungen. schlechte menschen sind mit regelwerken behangen. sie machen sich laecherlich indem sie ihre scheuklappen bei jeder begegnung neu straffen und am scharfen sichtrand vorbeischauen. artig und gefraessig zugleich. akkordeonmusik begleitet die schritte. objekt und betrachter muessen ploetzlich eckig gehen, damit verstaendlichkeit in alle elemente zurueckgeschuettet wird. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img id="image527" src="http://www.textkollektor.de/wp-content/images/textkollektor_mitten_finden.jpg" alt="textkollektor_mitten_finden.jpg" /><br />
</p>
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schlechte filme beginnen mit erwachen. schlechte geschichten mit personenbeschreibungen. schlechte menschen sind mit regelwerken behangen. sie machen sich laecherlich indem sie ihre scheuklappen bei jeder begegnung neu straffen und am scharfen sichtrand vorbeischauen. artig und gefraessig zugleich. akkordeonmusik begleitet die schritte. objekt und betrachter muessen ploetzlich eckig gehen, damit verstaendlichkeit in alle elemente zurueckgeschuettet wird. die entstehenden wirklichkeiten strahlen parallel aneinander vorbei. alle bekannten worte werden zum formulieren von wahrheiten verbraucht. vielleicht sind wir innen beschaedigt und wuerden unter anderen umstaenden aufmerksamer sein, genauer sprechen und tuechtig nachdenken? </p>
<p>hans stellt fest, dass ihn der eigene verstand hier im halbschlaf truegen will. er hat jetzt vor sich auf die reinen sinne zu konzentrieren. hinter den vorhaengen arbeitet die stadt wie unter granatenbeschuss. hans schlaegt muede seine augen auf. setzt sich aufrecht ins bett. er ist in kleidung eingeschlafen. graue hose mit weissem hemd und brandloechern. marschmusik im radio. hans arbeitet fuer den staat, der stark und allmaechtig ist, aber trotzdem lediglich herr ueber ein plastikreich. hans isst waehrenddessen sein fruehes brot. vor den fenstern explosionen. all der zukunftskitsch ist endlich da. hologrammbespannter werbehimmel und  freischwebende wagen, die die welt vollstaendig kartographiert haben. unter gleichen roboterhieben, die hans die nahrung in fabriken bereiten. rotorenlaerm. hans schuettelt den kopf und legt das notizbuch zur seite. er schreibt seit gestern seine traeume auf. tumult und autohupen vor dem haus. diesmal hat er naiv von der zukunft getraeumt. lachend stoesst er erleichtert die luft aus. bis auf die arbeit in der ueberwachung ist alles erlogen. laehmungsgefuehle. er haelt sich erschrocken am tuerrahmen und holt den sauerstoff. hans spuert nach jahren wieder seinen herzschlag.  </p>
<p>ein lastwagen faehrt am hochhaus vor. holzpaletten sinken knirschend in den kies.  die moebelpacker heben jetzt einen weissen fluegel von der pneumatischen hebeflaeche. der besitzer steht verstoert einige meter abseits und schlaegt seinen kragen hoch, als es zu regnen beginnt. eilig wird die plastikabdeckung verstaerkt. dazu schallender arbeiterjargon. in einem halbkreis um die entladung sind menschen auf die knie gesunken. die traenen steigen ihnen in die augen. ihre kinder zerren ungeduldig an den ausgestreckten armen. die freudenschreie werden unterdrueckt. niemand von ihnen hat ein instrument gesehen. in andacht verfroren achten sie nicht auf regenstiche.  </p>
<p>hans weint, als er den fluegel aus seinem fenster sehen kann. damals hat er das gerede auf den hausfluren nicht ernst genug genommen. er schlaegt sich zur strafe mit der faust ins gesicht und muss den kopf ueber die kuechenspuele halten, da blut duenn aus der nase fliesst. er aergert sich, dass er jetzt gezwungen wird ueber dem becken zu bleiben. gleichzeitig ist er froh darueber sofort gehandelt zu haben. nichts soll im inneren als reue zurueckbleiben. er schaut zur uhr und ins becken zu den blutwirbeln, die im wasser verschwinden. minuten seines lebens vergehen. er mueht sich dabei ruhig zu bleiben und zaehlt die fliesenlfugen. </p>
<p>ledergurte finden position in glaenzenden karabinerhaken. der fluegel steigt langsam im regen. zeigefinger strecken sich. der vorsteher arbeitet ausschliesslich in grossaufnahmen. qualtitaet bringt geld und macht selbst reiche schwach. er hat bei dem gedanken einen steifen. dieser vorplatz ist seine verdiente buehne. wohlwollend dreht er mit dem koerper zuegige halbkreise um sich dem herbeigestroemten fensterpublikum entgegen zu drehen. eine hand waescht schliesslich die andere. muskelspannung dank tv-erfahrung. durch das staendige scheibenoeffen drehen sich sonnenreflexionen ueber den platz, die gesichter dabei uebersteigen. zuschauer oeffnen darin erste bierflaschen. die kronkorken werden meist heruntergeworfen. es macht keinen unterschied. alles findet seinen platz. </p>
<p>[pn]</p>
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		<title>das gefuehl sich selbst die hand zu geben</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Dec 2008 14:39:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>[textkollektor]</dc:creator>
		
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 gewerbegebiet. die wagentueren stehen offen. emmas schuhe stampfen auf dem parkplatzboden. sie dreht sich eng im licht der frontscheinwerfer. details. die jeans reicht ihr ueber die schuhe. nur du traegst diese hosen, denkt georg und muss ihre unterarme festhalten. trotzdem findet sie ihn. schlaege treffen ins gesicht. emmas ring schneidet ihm warm die lippe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img id="image526" src="http://www.textkollektor.de/wp-content/images/textkollektor_handgeben.jpg" alt="textkollektor_handgeben.jpg" /><br />
</p>
<div align="justify"> gewerbegebiet. die wagentueren stehen offen. emmas schuhe stampfen auf dem parkplatzboden. sie dreht sich eng im licht der frontscheinwerfer. details. die jeans reicht ihr ueber die schuhe. nur du traegst diese hosen, denkt georg und muss ihre unterarme festhalten. trotzdem findet sie ihn. schlaege treffen ins gesicht. emmas ring schneidet ihm warm die lippe auf. er nimmt die wunde in den mund. emma reisst sich schlagartig los. georg kann nur die knisternde jacke in bewegung hoeren. im wagen liegt der brief immernoch auf der ablage. laternenlicht von oben. er kann ihre reflektierenden augen kurz zwischen den haaren sehen. sie hat einen schal um den kopf gebunden. ihre ohren werde schnell kalt. scheibenwischer kippen trocken hin und her. ein helles polizeauto faehrt im hintergrund vorbei. der fahrer hupt, als er die szene entdeckt. beamte steigen jetzt mit schnellen schritten aus. ein fernsehteam folgt ihnen mit kopflicht und eingeschalteter kamera. sie werden sich nicht die kleidung vor trauer einreissen. gleich sind sie da. georg stellt fest, dass er lautlos weint. er sieht emmas ruecken in der silbergruenen diskojacke atmen. immer wieder muss er darauf den schriftzug lesen.  </p>
<p>dieselmotorlaerm. nicht auf den ruecksitz schauen. emma raucht mit tauben fingern. jetzt ist es egal. boese blumen wachsen ihr im hals hinauf. emmas kopf steckt im schraubstock. sie schaut nicht zum eingeschlagenen fenster, vor dem georg empfangbare sender im rauschen sucht. er ueberdreht. zugluft faellt geruchlos in den fahrenden wagen. halt irgendwo an, sagt emma. georg hat die absicht zu nicken, stattdessen nur ein abgebrochens wort, das wie ein ja klingen soll. </p>
<p>leichter schneefall. meinst du, dass sie hier videokameras haben? sie schaut auf die andere strassenseite. emma hofft, dass es endlich im fond schreit. dann koennte sie ihre handlungen noch aufhalten. das kind ist still. georg sagt nein. er zwingt sich zu beherrschen und oeffnet als erster die tuer. scherben knirschen unter seinen fuessen. er muss um den wagen zur beifahrertuer herumgehen. als er sich herunterbeugt, um emmas bein per hand herauszustellen, stoesst sie ihn erbost von sich fort. schnee faellt ihm kalt in den kragen. emma nimmt die sporttasche vorsichtig vom ruecksitz. georg folgt ihr mit abstand, als sie die leere strasse ueberqueren. vor der klappe sehen sie sich seit langer zeit wieder in die augen. er denkt an muelleimer. emma hebt das warme buendel aus der tasche heraus. wie verabredet legen sie es gemeinsam in das bettchen, das dem gewicht leicht nachgibt. eine bunte spieluhr haengt darin. stiller alarm. der raum dahinter ist kahl, eine einzelne triste tuer an der wand. als sich georg umdreht, sieht er wie emma auf der strasse die spuren im weiss verwischt. </p>
<p>vier haende zittern. wir koennen nicht mit dem bus dahinfahren, sagt sie im flur, mach einmal etwas richtig. emma haelt eine kleine jacke. georg nimmt einen hammer aus der werkzeugkiste und geht auf die strasse herunter.    </p>
<p>[pn]</p>
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		<title>taucherkrankheit</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Dec 2008 23:31:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>[textkollektor]</dc:creator>
		
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hohe kontraste. in der ubahn sehe ich zu viele ausgetragene gesichter. sie  erschrecken angebunden, wenn sich blicke kreuzen. frueher wurde mut belohnt. glasig benommenes dominiert die augenraender. ich selbst verzichte darauf in die scheibe zu fallen. befehle mir, nicht mehr zu starren, da die gruende gleichzeitig verschwinden. nur die verdrehte perspektive ist schuld. problemkinder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img id="image525" src="http://www.textkollektor.de/wp-content/images/textkollektor_taucherkrankheit.jpg" alt="textkollektor_taucherkrankheit.jpg" /><br />
</p>
<div align="justify">hohe kontraste. in der ubahn sehe ich zu viele ausgetragene gesichter. sie  erschrecken angebunden, wenn sich blicke kreuzen. frueher wurde mut belohnt. glasig benommenes dominiert die augenraender. ich selbst verzichte darauf in die scheibe zu fallen. befehle mir, nicht mehr zu starren, da die gruende gleichzeitig verschwinden. nur die verdrehte perspektive ist schuld. problemkinder fahren feixend ins internetcafe, da vaeter ihnen zaehne fuer heimlich besuchte seiten einschlagen. beide parteien kapieren nichts. es bleibt bei rollenspielen. die elektronischen nachrichten enden in taschenvibrationen. </p>
<p>endlose stationen. ich will die hirnfluessigkeit in meinem schaedel gegen klares quellwasser tauschen, spuere bereits die kuehle meine nerven bedecken. erzwungene gelassenheit durch private musik. mp3ballons. akustische gitarren erreichen das hohle schlagzeug, treiben auf falsche hoehepunkte zu, bis der hoerer annimmt, dass alles gut enden kann. ein mensch muss an alles glauben. soll er? die dauerdichte bestimmt die wichtigkeit. brav nehme ich taeglich alle per spam verschriebenen medikamente ein. einschlaf- und auswachkapseln. habe hohe regale fuer die pillenverpackungen gebaut. ich bin froh, dass sich der staat um unsere gesundheit kuemmert. der staat ist ein guetig seniler grossvater mit videokamera. traenen schiessen mir in die augen, als ich daran denke. das hermetische schlaefenklopfen geniesse ich jetzt, straeube mich nicht mehr dagegen. selbst das aggressive gelb der waende ist bedeutungslos. transport. ungeduldige koerper darin, die keine pose mehr finden. alle pressen sich fort, um harmlos allein zu sein. die wenigsten bedeuten sich etwas dabei. ich mache hier keinen unterschied und erschaffe keinen sinn. fuer meine bewertung bitte ich die anwesenden im geist um verzeihung. keine sorge, wir sterben gewiss gemeinsam. </p>
<p>eine nach pisse stinkende frau steigt ein. es gibt fuer alles eine loesung. ich habe eine hand, also habe ich auch eine faust. was stelle ich damit an? gibt es zarte kieferbrueche? die schlimmen dinge passieren tagsueber im hellen. phantasie bezirkt. bahnfahren schadet. eine notwendigkeit, die leichtsinnig und nervoes macht. zwingt im abstrakten dazwischen zu leben. eine verzweifelte beschwerde, stelle ich fest. wozwischen? vergiftet von der ideenwelt einer koerper-verbesserungsreklame. ich will keine jingles erinnern. ich habe ploetzlich angst dem alltag zu erliegen. den humor zu verlieren, wie einen beruf.  abertausende fernsehradiosenderwellen blaettern sich durch mich hindurch. niemand hat mehr angst vor geistiger armut. alle dicken haben ein druesenproblem, sagen die dicken. </p>
<p>die naechsten generationen werden sich fragen,wieso wir nichts unternahmen, an nichts mehr glaubten, uns duch unterwerfung klein machten. angeblich ahnungslos. unsere verteidigung wird schlicht und glaubwuerdig sein: es lenkte uns so vieles ab. als schutz lernten wir nicht mehr staendig zu reuen, sondern endlich zu recyclen. manager lebten zen. wir hassten sie grundlos, verabscheuten unsere faulheiten beim betrachten der fiktiven figuren, die uns stellvertretend ausfuellten. kreislaeufe erlaubten effizienz. sie sagten, dass wir auf uns achten sollen. wir nickten und erlebten unser sinken als sinnvolles verhaerten. wir sollten zuschauen und rechnen lernen. selbst moralschweine fuehlten in ihrem inneren die geburt der entscheidungen. die ausreden lagen deshalb in katalogen parat. nicht die industrie, sondern unsere eigenen erklaerungen waren schuld. die suche nach suendenboecken. gewalt ist meist kostenguenstig. </p>
<p>innere missverstaendnisse wurden als erfahrung verkauft. libidoverluste beim geniessen. wiederholung wurde gespeichert und charakterbildung genannt. alzheimerkriege gegen idiosynkrasie, in die visiere sich selbst aufhebende gedankenmodelle als folie eingehaengt. die medien spielten dabei eine nebenrolle. dementi trotz erstklassiger aufstellung. trendgeschwaecht haben wir gemeinsam alles beschriftet. wir haben die veluste alle gespuert. feigheit ist ein seltenes wort, obwohl sie allgegenwaertig ist. niemand hat etwas gesagt in dieser schweigespirale. wie eine magersuechtige hat die gegenwart sich zu hassen gelernt. das sagen die aelteren und wissen danach auch nicht weiter. schwache flammen sind immer blau. die derzeitige evolutionssprosse ist wie halblanges haar, schmerzhaft mittelmaessig. die gefuehle sind verlangsamt, bis sie gaenzlich abgestriffen werden. wir sind geworden? aktives und passives verhalten laesst sich nur noch muehsam unterscheiden. es muss eine unheimliche magie sein, die uns antreibt und immerfort beschleunigt. ich hoffe, dass wir uns bessern, sagt ein mann jetzt unbeherrscht ins plastiktelefon hinein und ist zum ersten mal aufrichtig. verbluefft, dass sich dieser seltene moment in einer derart banalen umgebung abspielt, schaut er auf, um zeugen dafuer zu finden. </p>
<p>nachts wird panisch manches buch durchsucht, solides fernsehen, staendig aufgearbeitete informationen aufgesogen. den leitmedien zugestimmt. alternativloses mitschwimmen. wir meisseln die hoehle, entfachen das feuer und setzen uns eigenhaendig mit dem ruecken zum ausgang. jede kultur hat ihre werte. tief luft holen. frauen schlagen. scheitern am zuviel oder oberflaechenwissen. der mensch gehoert als urschleim zurueck ins meer. immerwaehrende nischenidiotie, wir haben auf der flucht insgesamt zuviel und toericht laut gesprochen. den geheimnissen die schenkel auseinander gedrueckt. zuviel gesehen. das unertraegliche wurde in dreissig sekunden hineingerettet. fremdes hat uns manchmal geruehrt. gluecklicherweise hat es bis zum vergessen gereicht. sollte nicht jeder tag zumindest eine herausforderung anreizen? in vielen koepfen werden schweigend bomben in arbeitsstaetten gelegt und kehlen von familienmitgliedern durchschnitten. wir wollten befreiend schreien, aber es gibt keinen platz dafuer in dieser stadt. es gibt hier noch nicht einmal sitzbaenke. </p>
<p>vielleicht lagen wir morgens in den kunststofflaken, sahen bloss dem duennen licht zu, das durch feinstaubverschmutzte fenster fiel. wir hatten alles freiwillig vergessen. draussen schlugen die glocken einer entleerten kirche. jede vergangenheit verschwand. alle menschen. wir selbst. die zerrende planung erstickte. ich verstand meine endlichkeit und fror nicht einmal. die aufregung ueber diese welt ohne uns machte sprachlos. die haende hoben sich von selbst und wollten schlafabgestandene luft greifen. unmoegliches wagen. egal, wenn darueber gelacht wird. es ist besser sich am eigenen leben satt zu fressen, als fremdes zu beneiden. unbeschadet kommt keiner davon. danach herzklopfen gegen die rippen, bis zum erbluehenden zusammenreissen, das nur aufhob, um uns laechelnd wegzuwerfen. eine unbekannte strafe. das zoegerliche auftauchen war beweis, dass wir nicht wussten welche welt wir verliessen und welche wir erschaffen hatten. </p>
<p>[pn]</p>
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