Texte - July 2008



der biomechanische arm bleibt etwas beschaemt hinter dem ruecken

partikulare anziehung. futuristisches gebaeude mit wasserflaechen davor. achtzigerjahrephantasie: jemand hoert ea80 und empfindet nichts dabei. die oberflaechen sehen aus wie glas. welch armseliger vergleich. spiegelungen von standardisierten bueromoebeln, fensterfressen. schritte sind selten, es wird mit vorbehalt auf den steg getreten. general electric. illuminatenzentrale. nachts noch besprechung im weisshemd auf bodenhoehe mit dem betrachter. undankbarer ausblick auf parkende wagen, die nicht dem jahrzehnt entsprechen. doch? das abfliessende wasser klingt erbaermlich im genussversagen. dies ist der beruhigende aspekt jeder massnahme. der menschliche makel haftet allem an. alles ist versuch, taeuschung und formulierung. das licht hingegen faellt gierig und unbestimmt. alles verzehrt sich nach droge. in mir eine bekannte leere. verstellte blicke, ich kann keine schoenheit, nur mechanik erkennnen. die strassenbahn schlaegt wie zur warnung elektrisches feuer auf die leitung. muss das unvollstaendige oft das beeindruckenste sein ? ich bemerke, wie ich mich kopiere, verschwenderisch. repetetiv. eine schale versiegelung lastet auf mir. perspektivische schwankungen. entscheidungsgerangel. innerlich hoffe ich, dass es vielen aehnlich geht, damit ich einen anstand mir selbst gegenueber wahren kann.

in den augenwinkeln beobachtet mich der wachmann, den ich mit dem ruecken betrachte. keiner von uns will sich im wasser wiedersehen. polizei omnipraesent. lichterlose kitschige stadt. heute kein obst essen wollen. ich zerstaube in einzelteile. sammle ungern auf. troeste mich mit luegen der auferstehung, wille um wille geworfen. augenschliessen beim ficken. das licht ist erbarmungslos ehrlich. ich hasse meine abschweifungen, uebertreibe damit ich etwas zum leben und erhalten habe. charakterstarrer pappkamerad. destruktionsclown. zweifelspeicher voll. fahrradfahrerdilemma. ich schaetze die entscheidung des abbiegens. immerhin gefaellt mir noch etwas – sagte er. ich fuehlte mich ertappt, da ich ihr erzaehlspiel sah und mich selbst als figur erkannte. [pn]

jeder mag sich ohne skrupel selbst entfalten

die fahrradkette greift nicht richtig. das gefaellt mir, da niemand anderes es fahren kann, der den rhythmus nicht beherrscht oder gierig eintritt in die pedale. keine beschreibungen notwendig. ein tag, an dem die sonne aufging. beschlagene supermarktscheiben. zustimmung ist die neue verneinung. uns bleibt nicht mehr viel uebrig. nicht weil sie versagte, sondern weil sie gelungen ist, kommt die aufklaerung gegen den wahn nicht an. damit entfaellt die hoffnung, die seit kant auf strenge erkenntnis gesetzt wurde. statt der vernichtung in der angst des nichtgeliebtwerdens das grossprojekt der heimzahlung – fuer dich suche ich mir eine andere sprache aus, keine sorge. da bleibt alles flach und zufaellig. ich fuhr an dir vorbei, erinnerst du dich?

ich erinnere mich. du sasst im grass und hast vielleicht auf jemanden gewartet. dein haar lag viel zu symmetrisch links und rechts deines kopfes. es sah nicht gut aus. eine papiertuete stand an deiner seite. ich kann mir nicht vorstellen, was in ihr war. ich habe zu kurz hingesehen. dutzende male bin ich durch die gegend gelaufen, auf der suche nach dir. aufmerksamkeit ist eine willkuerliche eigenschaft. menschen sterben unfalltode, da sie augenblicke von der sonne geblendet werden. da gibt es keinen schuldigen. letztendlich spielt es keine rolle.

ich habe die hand gehoben und gleichzeitig meinen kopf schon abgedreht um nach vorne zu schauen. ich war sehr wuetend. deinen ausdruck habe ich nicht erkannt. mir stattdessen mehr entgegen – kommende spaziergaenger gewuenscht, damit mein verhalten nachvollziehbar und menschlich wirkt. ich musste jedoch niemandem ausweichen. die reifen drehten leichtgaengig. beschleunigungsverhalten in mir und nicht in den radachsen.

spaeter lag ich selbst auf einer decke und habe in den himmel gestarrt, da nichts anderes vorhanden war. schwalben ganz oben, gewittermuecken in der mittelschicht. in meinen augaepfeln schwebe – teilchen durch den harten kontrast. ein bier habe ich wohl getrunken. fundamentaler wiederholungszwang. ich lachte darueber und tat so, als haette ich irgendetwas verstanden : das echte ist der satellit der simulation.

als dann die hundebesitzer mit umgehaengten leinen und leichtfertigen blicken an mir vorbeigingen und ich ploetzlich begann auch auf sie wuetend zu werden, verstand ich zwischenzeitlich doch etwas. es war okay, dass ich nicht immer bewusst entscheiden konnte welchen wahrnehmungskegel ich in die welt warf. uerberbietung bedeutet das gleichgewicht des schreckens durch die steigerung des schreckens auszugleichen. mir wurde klar, dass es am besten waere, wenn die hunde mich und die anderen parkbesucher nerven und am besten noch anpissen wuerden. obwohl durchschaut bleibt doch alles oft beim alten. ich stellte mir vor, dass es fuer dich viel erschreckender gewesen war mich wiederzusehen. manchmal kann man sich nicht vom fernsehen unterscheiden, auch wenn man es tatsaechlich boykottiert. tv-liebe. wir sind selbst als menschen diese medien der erstarrung. aehnlich unwendig. diese behauptungen taten gut, da selbst schon hegel wusste, dass alles im fetisch des kopfes endet. ich waere gerne zurueck zu dir gefahren und haette dir diese frage gestellt, ohne hallo oder guten tag zu sagen. ich habe es nicht getan.

laut youtube moegen selbst viele vierzehnjaehrige tom waits. es gibt hier diese grundsaetzliche retrospektive tendenz der hochachtung vor dem vergangenen. wir scheinen unsere gegenwart als kollektiv zu verachten. dabei kann ich sie sogar gut verstehen. ich musste jedoch fuer diesen altertuemlichen saenger selbst erst ein gewisses alter erreichen. anfuehrungsstriche oben. an diesem abend habe ich einige lieder von ihm gehoert. sie haben mir gefallen, weil der pathos in ihnen schnell abfaellt und nur noch reine ehrlichkeit bleibt. waits nennt lieder menschliche werkzeuge. er hat wohl recht. ich habe bei einem song geweint, da ich kein erschrecker fuer dich sein wollte – stattdessen wuenschte ich mir ueberraschung und zuversicht fuer dich. kurz darauf, als haette ich nichts gelernt –

abenddaemmerung. ich sehe den photographischen blitz, hinten an der baumgrenze. ich weiss, dass du jetzt dort stehst. irrationale anschuldigung: du drehst erst den kopf und lachst danach. [pn]

das komische, das nicht lachen macht

ich wuenschte ich haette dich oefter photographiert, noch fuehle ich dieses du. die erfahrung zeigt, dass selbst menschen austauschbar erscheinen. mein abschliessender ernst und eine fragwuerdige mischung meiner persoenlichkeit macht mich zu einem guten steigbuegel, an mir wird charakter geschaerft, ich ziehe bei dem gedanken meine zehen zusammen. [pn]

neon

ich moechte heute abend nicht frieren. es geht ihr so leicht von den lippen. in der klinischen kneipe gibt es in die tische eingelassene schalen, damit die mitgebrachten gegenstaende von der oberflaeche verschwinden. das ist so modern, sagt sie und haelt den arm, als sei es ihr nie zuvor aufgefallen.
sie zittert, als er ihre hand beruehrt – sie denkt sich diese formulierung dazu. er lacht zu seinem arbeitskollegen herueber, zeigt bizeps, verzichtet auf das augenzwinkern. der mantel stuelpt sich ueber sie. hineinstossen ins taxi. kniegriffe. spoettisches trinkgeld. radiorauschen beim aussteigen. sattes schmatzen der tueren – in deutschland mercedes. der fahrer verlaesst den wendehammer.

sie traut sich nicht nach den rueckleuchten zu schauen. waehrend des krieges sind die scheinwerfer blau angemalt, sagt er und tut so, als haette er keine gedanken gelesen. sie mueht sich charmant zu sein, dabei ist sie bloss muede. gib mir was zu trinken, sagt sie noch auf dem kies.

er findet die schluessel nicht. sie liegen im taxi. die kette hat er schon vor jahren abgelegt. er denkt ans joggen beim telefonieren, lehnt sich erst leicht gegen das treppengelaender, kurz darauf, stehhockerposition wie in den tagesthemen. nora steht mit den absaetzen im kies, schaut ein loch in die szene.

minuten. der fahrer biegt um die ecke. fernlicht blendet das illusorische paar. der wagen atmet, dampft. klopfen an die scheibe. das elektrische fenster oeffnet sich um einen spalt. fuenfzig euro, sagt der fahrer. nora wechselt das standbein, als ihr potentieller partner mit der blossen hand die fensterkante greift und daran brechen will. gequetschte schreie, der fahrer lacht, steigt auf der anderen seite wieder aus. nora entzuendet eine zigarette als die schluessel im hohen bogen ins dickicht fallen. sie schweigt, als der fahrer den rueckwaertsgang einlegt und die scheinwerfer ausschaltet.

[pn]

kitschflaeche

unter mir besiedelte flaeche,
herumgeworfene menschen,
druckabfall,
der pilot fliegt schleifen
sind in deinem haar.

[pn]