abgelegt in: [junkieausrede]

im libanon gibt es zu viele katzen, sagt sie und zieht die beine auf den stuhl. es liegt auch an ihrer allergie. sie sagt: viele katzen streunten durch die ausgebombten ruinen. im libanon sagt man, dass sie von daemonen besessen sind. es liegt an ihrem blick.
waehrend die frau spricht windet sich das tier durch den raum, um auf die fensterbank zu springen. beide wesen haben angst. ihre augenroete steht gegen gefaengniskoller der viertstock-katze. beide trinken leitungswasser. zu viele gemeinsamkeiten. ein so junger mensch, der kriegserfahrungen hat. ich kenne actionstreifen. irritiert schaue ich weg und kann mich nicht konzentrieren. keine glanzleistung der hoeflichkeit. ein schulterklopfen macht mich aggressiv. alles klar ?
der gutelaunemensch ist enttaeuscht. er trinkt sein drittes bier. ich bin beim fuenften. klar.
eine feier. wozu? ein geburtstag. ein grund zum trinken. sogar kein schlechter. im kleinen kreis. der innnere druck steigt. gestik und mimik laufen bei allen auseinander. ich mache duenne lippen und starre in eine kerzenflamme. urzeitreflex. beruhigt dies oder macht es rasend? irgendwo am boden ist eine flasche umgekippt. hektik entsteht. die anwesenden sind froh, dass es etwas konkretes zu beseitigen gibt. eine organisationskette waechst um die aufgabe und um mich herum. seitenblicke machen klar, dass ich im weg stehe. asche faellt von zigarettenspitzen auf den boden. die jahreszeit wechselt spuerbar, draussen wird es wieder kalt. haut wird blass. wie blaetterfarbe, sage ich. was hast du gesagt? lametta? nicht wichtig. der lappen kommt endlich. cocktailpartyeffekt. filmeschnipsel und urlaubseindruecke. mir droht der kopf zu zerbrechen, obwohl nichts in ihm passiert.
kann ja mal passieren. ist es doll nass? macht nichts. ha ha. guter lappen. vileda? ne so ne billigmarke. aber echt gut. saugstark. warte ich hol dir ein neues. danke. kein ding. ist ja klar auf ner party. man sollte das naechste mal einfach eine plastikplane ueber den ganzen boden legen. ja. das waere cool. vielleicht kann man den ganzen raum damit auslegen. so an die waende und alles einfach. gute idee. ich komme gleich wieder.
ich hoere den wortwechsel als sei er eine drogeninjektion. was faellt dafuer aus meinem kopf? auf erholungsuche gehe ich einige schritte, soweit die raumenge es zulaesst. zur abwechslung weiss ich jetzt nicht, wie ich die arme halten soll. reflektion ueber koerperpostioon ist ein beweis fuer langeweile. und weiter: kuehlschranktuerenklappen produziert alkoholentspannung. bitter sind nur die dummen, die nichts erwarten. auch im gegenteil dessen laesst sich eine luecke finden, um dort unterschlupf zu suchen. meet&greet, hire&fire. wer sich ueber dualismen aufzuregen versteht kann es weit bringen. die gespraeche bestehen aus dopplungen und kopfnickorgien. beim streit entzweit sich die geduld. tuerenschlagen. diesmal die grosse. eine beziehung endet. vielleicht. das paar trennt sich sichtbar und raeumlich. sie lassen platz fuer eine lila pause oder eine andere entfaltung ihrer selbst. nicht zuviel nachdenken. ich schuette das getraenk in mich hinein. die gaeste scheinen sich zu kopieren. eine verstaendigung, die spannungen abbaut. hacke nicht auf dem alkohol herum ! denke ich ploetzlich und lache laut. koepfe werden gedreht. zahnreihen hauen am buffet aufeinander.
selbstverantwortung. zehnpunkteplaene. rechtschreibereform. vorfahrtsregel. kollektive zwaenge. das schlichte klischee des rituals. beilauefigkeiten streifen sich im negativ zu beilaeufigen beruehrungen. nach kontrolle des gegenuebers sind letztere erwuenscht. die kassiererin im supermarkt wirft das geld weit von oben in die ausgestreckte handflaeche. man kann es ihr nicht veruebeln. sie ist schlieslich keine prostituierte. alternativ: schlangen von maennern stehen mit backhefe an dem ausgabeort der erzwungenen zaertlichkeiten. es gibt sicher eine internationale klassifikationsnummer fuer diese stoerung.
mach dich mal locker! sagt ein therapeut beim vorbeigehen. selbst ist er seit stunden in fachgespraeche mit einem zufaelligen kollegen gefluechtet. privat scheint er sich hier den frust von der seele zu trinken. ich kenne ihn nicht. werde den grund gleich erfahren. sein zug an der flasche erstaunt sogar mich. na und? jeder hat ein recht auf ausgleich.
ich frage ihn, wie es ist ein muelleimer zu sein. das wort psychologische hygiene faellt aus meinem mund. ich wage mich recht weit aus dem fenster, ohne zu wissen wohin das gespraech fuehren soll. er sagt, dass ihm probleme von patienten an die substanz gehen, die er selbst hat. er nennt ein bespiel: manche frauen in seiner gruppentherapie kann er nicht leiden, weil sie ihre maenner verlassen haben. mit den verlassenen solidarisiert er sich.
kann ich verstehen, sage ich und luege dabei. ich bestaetige mich innerlich selbst. das wusste-ich-doch-gefuehl waermt kurz. wir stossen trotzdem an. schauen dann an die waende um die dekoration zu betrachten. ich frage mich, ob er in seinem kopf ein profil vom bewohner erstellt. wahrscheinlich sagt er auf solche anschuldigungen immer: ich kann auch feierabend machen.
neues bild: ein serioes wirkender mann mit baerenkopf fragt ihn mit pastorentimme: sind sie sich da wirklich hundertprozentig sicher ? bevor der therapeut antworten kann ertoent schrill der luegenalarm.
happy birthday. schiefe stimmen. die rechte an dem lied laufen 2015 aus. oder 2019? eine angebrachte anektode, die niemanden schaden wuerde. in diesem zusammenhang aber vermutlich zu steif. a propos - die frauen tanzen um die wette. eine zweierwette. ihre freunde betont laessig zurueckgelehnt, sorgen sich erst bei bestimmten bewegungen. ein drahtseilakt auf beiden seiten? bloedsinn. bloss ueberstrenge gedankengaenge nach zuviel schnaps. sekundenfazit: sich gegenseitig abfernsehen ist menschenunwuerdig. wieder weg.
lachen aus den ecken. ist es dort anregender? augenblicke spaeter produziert ein bekanntes lied noch einmal eine gruppenerschuetterung. wir kennen es alle. haben etwas gemeinsam. seismographisch unbedeutend. richter kann getrost liegenbleiben. eine schwammige erkenntnis erscheint: sich beschweren faellt leicht. zu wenig denke ich ueber die bedeutung einzelner worte nach. sich beschweren. woher nimmt man diesen imaginaeren ballast ? eine quelle die jede oase in den schatten stellt. ich wippe mit dem fuss und versuche mich einzulassen.
hoehepunkt. die grosse frage in die runde : kaffee? neues level. highscore-knacken. alle machen mit. ich hoere mich euphorisch ja-sagen und danach folgt etwas zu meinem nebenmann. wir vergessen es beide, waehrend die schallwellen noch in unseren ohren verschwinden. eigentlich sollte ich gehen. es ist aber nicht entschieden.
[pn]

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