spielverderberparty
Monday August 27th 2007, 1:13
abgelegt in: [junkieausrede]




im libanon gibt es zu viele katzen, sagt sie und zieht die beine auf den stuhl. es liegt auch an ihrer allergie. sie sagt: viele katzen streunten durch die ausgebombten ruinen. im libanon sagt man, dass sie von daemonen besessen sind. es liegt an ihrem blick.

waehrend die frau spricht windet sich das tier durch den raum, um auf die fensterbank zu springen. beide wesen haben angst. ihre augenroete steht gegen gefaengniskoller der viertstock-katze. beide trinken leitungswasser. zu viele gemeinsamkeiten. ein so junger mensch, der kriegserfahrungen hat. ich kenne actionstreifen. irritiert schaue ich weg und kann mich nicht konzentrieren. keine glanzleistung der hoeflichkeit. ein schulterklopfen macht mich aggressiv. alles klar ?
der gutelaunemensch ist enttaeuscht. er trinkt sein drittes bier. ich bin beim fuenften. klar.

eine feier. wozu? ein geburtstag. ein grund zum trinken. sogar kein schlechter. im kleinen kreis. der innnere druck steigt. gestik und mimik laufen bei allen auseinander. ich mache duenne lippen und starre in eine kerzenflamme. urzeitreflex. beruhigt dies oder macht es rasend? irgendwo am boden ist eine flasche umgekippt. hektik entsteht. die anwesenden sind froh, dass es etwas konkretes zu beseitigen gibt. eine organisationskette waechst um die aufgabe und um mich herum. seitenblicke machen klar, dass ich im weg stehe. asche faellt von zigarettenspitzen auf den boden. die jahreszeit wechselt spuerbar, draussen wird es wieder kalt. haut wird blass. wie blaetterfarbe, sage ich. was hast du gesagt? lametta? nicht wichtig. der lappen kommt endlich. cocktailpartyeffekt. filmeschnipsel und urlaubseindruecke. mir droht der kopf zu zerbrechen, obwohl nichts in ihm passiert.

kann ja mal passieren. ist es doll nass? macht nichts. ha ha. guter lappen. vileda? ne so ne billigmarke. aber echt gut. saugstark. warte ich hol dir ein neues. danke. kein ding. ist ja klar auf ner party. man sollte das naechste mal einfach eine plastikplane ueber den ganzen boden legen. ja. das waere cool. vielleicht kann man den ganzen raum damit auslegen. so an die waende und alles einfach. gute idee. ich komme gleich wieder.

ich hoere den wortwechsel als sei er eine drogeninjektion. was faellt dafuer aus meinem kopf? auf erholungsuche gehe ich einige schritte, soweit die raumenge es zulaesst. zur abwechslung weiss ich jetzt nicht, wie ich die arme halten soll. reflektion ueber koerperpostioon ist ein beweis fuer langeweile. und weiter: kuehlschranktuerenklappen produziert alkoholentspannung. bitter sind nur die dummen, die nichts erwarten. auch im gegenteil dessen laesst sich eine luecke finden, um dort unterschlupf zu suchen. meet&greet, hire&fire. wer sich ueber dualismen aufzuregen versteht kann es weit bringen. die gespraeche bestehen aus dopplungen und kopfnickorgien. beim streit entzweit sich die geduld. tuerenschlagen. diesmal die grosse. eine beziehung endet. vielleicht. das paar trennt sich sichtbar und raeumlich. sie lassen platz fuer eine lila pause oder eine andere entfaltung ihrer selbst. nicht zuviel nachdenken. ich schuette das getraenk in mich hinein. die gaeste scheinen sich zu kopieren. eine verstaendigung, die spannungen abbaut. hacke nicht auf dem alkohol herum ! denke ich ploetzlich und lache laut. koepfe werden gedreht. zahnreihen hauen am buffet aufeinander.

selbstverantwortung. zehnpunkteplaene. rechtschreibereform. vorfahrtsregel. kollektive zwaenge. das schlichte klischee des rituals. beilauefigkeiten streifen sich im negativ zu beilaeufigen beruehrungen. nach kontrolle des gegenuebers sind letztere erwuenscht. die kassiererin im supermarkt wirft das geld weit von oben in die ausgestreckte handflaeche. man kann es ihr nicht veruebeln. sie ist schlieslich keine prostituierte. alternativ: schlangen von maennern stehen mit backhefe an dem ausgabeort der erzwungenen zaertlichkeiten. es gibt sicher eine internationale klassifikationsnummer fuer diese stoerung.

mach dich mal locker! sagt ein therapeut beim vorbeigehen. selbst ist er seit stunden in fachgespraeche mit einem zufaelligen kollegen gefluechtet. privat scheint er sich hier den frust von der seele zu trinken. ich kenne ihn nicht. werde den grund gleich erfahren. sein zug an der flasche erstaunt sogar mich. na und? jeder hat ein recht auf ausgleich.

ich frage ihn, wie es ist ein muelleimer zu sein. das wort psychologische hygiene faellt aus meinem mund. ich wage mich recht weit aus dem fenster, ohne zu wissen wohin das gespraech fuehren soll. er sagt, dass ihm probleme von patienten an die substanz gehen, die er selbst hat. er nennt ein bespiel: manche frauen in seiner gruppentherapie kann er nicht leiden, weil sie ihre maenner verlassen haben. mit den verlassenen solidarisiert er sich.
kann ich verstehen, sage ich und luege dabei. ich bestaetige mich innerlich selbst. das wusste-ich-doch-gefuehl waermt kurz. wir stossen trotzdem an. schauen dann an die waende um die dekoration zu betrachten. ich frage mich, ob er in seinem kopf ein profil vom bewohner erstellt. wahrscheinlich sagt er auf solche anschuldigungen immer: ich kann auch feierabend machen.
neues bild: ein serioes wirkender mann mit baerenkopf fragt ihn mit pastorentimme: sind sie sich da wirklich hundertprozentig sicher ? bevor der therapeut antworten kann ertoent schrill der luegenalarm.

happy birthday. schiefe stimmen. die rechte an dem lied laufen 2015 aus. oder 2019? eine angebrachte anektode, die niemanden schaden wuerde. in diesem zusammenhang aber vermutlich zu steif. a propos - die frauen tanzen um die wette. eine zweierwette. ihre freunde betont laessig zurueckgelehnt, sorgen sich erst bei bestimmten bewegungen. ein drahtseilakt auf beiden seiten? bloedsinn. bloss ueberstrenge gedankengaenge nach zuviel schnaps. sekundenfazit: sich gegenseitig abfernsehen ist menschenunwuerdig. wieder weg.

lachen aus den ecken. ist es dort anregender? augenblicke spaeter produziert ein bekanntes lied noch einmal eine gruppenerschuetterung. wir kennen es alle. haben etwas gemeinsam. seismographisch unbedeutend. richter kann getrost liegenbleiben. eine schwammige erkenntnis erscheint: sich beschweren faellt leicht. zu wenig denke ich ueber die bedeutung einzelner worte nach. sich beschweren. woher nimmt man diesen imaginaeren ballast ? eine quelle die jede oase in den schatten stellt. ich wippe mit dem fuss und versuche mich einzulassen.

hoehepunkt. die grosse frage in die runde : kaffee? neues level. highscore-knacken. alle machen mit. ich hoere mich euphorisch ja-sagen und danach folgt etwas zu meinem nebenmann. wir vergessen es beide, waehrend die schallwellen noch in unseren ohren verschwinden. eigentlich sollte ich gehen. es ist aber nicht entschieden.

[pn]




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totales environment
Saturday August 25th 2007, 22:19
abgelegt in: [wachsfigurenkabinett]




diese luege beginnt auch an einer kreuzung. wo sonst ? am schnittpunkt zweier geraden. unterschiede nur im ausgleich der geschwindigkeiten. die wartenden haben oft radkappen unter sich, andere brauchen nur die vertikale streckung, um signale zu empfangen und zu versenden. wo der koerper nicht mehr ist als zerebraler schwindelanfall stossen sich bewusste begierden aneinander ab, dann folgt die gruenphase. verfangene passanten. klebrige orte finden sich immer an meschenansammlungen. abfall in genussrueckstaenden ist neben imaginationsleerstellen der flanierenden geister in den raum gelegt. austausch und wunschefuellung durch begegnung. ein arsch, ein mueder arm, steigender blick. cinema direct. musique concrete.
worthuelse wird zum stolperstein. kurzes kulturelles spiel gefolgt von befangenheit - denkt alles der banale mann.

ein ebenso banaler name kleidet ihn, den blondinenliebhaber. er stolpert den frauen hinterher. elektrischer eklektiker, mit tschibo - digitalkamera. abstand halten ist sehr wichtig.

die angstbereiter-polizisten nennen ihn spanner-hans, halten die trillerpfeife im maul, während sie im dienstwagen um die häuserecken gleiten. danach spielen sie karten.

hans ist ein redundantes wesen, er gefaellt sich in der vorstellung ein evolutionaerer baustein zu sein. eine treppenstufe, die naechste genrationen endgueltig zu formalmenschen machen kann. frontalmenschen, verbessert sich hans. er hasst es fehler zu machen.

die eigenschaften der welt konsumiert er still, nur manchmal droht ein seufzen ueber seine zaehne zu rutschen, wenn ihn eine lieblingssorte wurst enstellt. gesichtslappen statt backen, eine hakennase darin versenkt. hans haelt sich fuer einen schoenen mann. immer wenn neben ihm der buergersteig gefegt wird tritt er naeher heran, um seinem augenblick beizuwohnen und ihn auszukosten. in den schritten der fremden hoert er rufe und bitten nach seiner anwesenheit.

stoffhose, dunkle stoffschuhe. heimlich ohne sohlen. flecken am hemdknopf unterhalb des adamsapfels. auf dem schaedel sind haarflaechen aufgespannt. die ohren ragen inkonsequent aus dem haarkranz. der kopf sitzt auf einem doppelt gebrochenen giraffenhals. holzast staendig in der hand.

hans sieht sich ploetzlich in eine apotheke laufen. rueckwaerts durch die lichtschranke. die warnglocke des kunden. eine alarmanlage, die gefaehrdung durch handelssituationen ankuendigt. hans hoert nichts. er ist omnipotenter betrachter seiner selbst. auf zweiter und dritter ebene liegt er zappelnd auf der personalplattform und betrachtet sich.oft kann er es sich nicht verkneifen auf den eigenen kopf zu spucken.

hans erwacht wieder. koerpersaft steht im regal. hans lacht. hustensaft ! er hustet beim lachen, bis apotheker (ohne artikel) vorwurfsvoll durch den ganzen laden schaut. hier kauft der gute deutsche also gesundheit ein?

deutschland? fuer einen augenblick ist es nicht klar woher die frage kommt. eine gelenkige frau aus der mitte (a) der gesellschaft (b) des raumes schlichtet den streit, indem sie mit doppelten fingern auf erschrockenen apotheker zeigt, der in seine geheimnisvolle hinterraeume verschwindet.

spanner-hans springt in einem satz hinterher und apotheker an die gurgel. er vermutet etwas schlimmes. beim festdruecken schaut er sich um: hier werden keine salben gemischt oder pulver zerstossen. hier hat der apotheker - die stimmung droht fast ernst zu werden - eine junge frau an die heizung gebunden. der rock fehlt ihr, eine schere hat die locken abgeschnitten, loetkolben und zange liegen strahlend sauber auf dem beistelltisch im stil der fuenfziger. kokosduft eines toillettensprays. streng. die frau hat sich eingenaesst.

hans schliesst leise die tuer hinter sich, die haende krampfen, obwohl doch jetzt der widerstand des eingedrueckten kopfes der apothekerkehle fehlt. die fremde dame im verkaufsfoyer reibt badesalz auf ihre haut. es geht schliesslich um vertraeglichkeit. immer.

sie schaut auf : das steht ihnen aber gut! sagt sie und zeigt auf apothekermantel-hans.

mit neuem image verschwindet dieser jedoch bereits im strassenbild. nur sein abbild in der linse der ueberwachungskamera brennt sich in den alten bildschirm ein und zieht schlieren. auf dem brustkorb des ex-apothekers liegt ein zettel: danke hans!

p.s. die frau ist fuer einige jahre gerettet. versprochen.

[pn]




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radrennfahrer
Friday August 24th 2007, 21:47
abgelegt in: [wachsfigurenkabinett]


ohne motor. die beine geheftet und um den rahmen gelegt. unter den johlenden gaumen der zuschauer wirft der fahrer sich die huegelketten hinab. im kopf hebt sich ein futuristischer wunsch aus dem nichts empor: die lust den lenker zu verdrehen und dem boden in voller fahrt zu begegnen. mann gegen asphalt. baum baum baum, im netzhautpapier eingestanzte andauernde veraenderung. der fahrer woelbt die schulterblaetter auseinander. die alten fluegel wachsen ihm. gestern erfaehrt er, dass er bald gehen muss. jeder sport wird ab morgen simuliert. die stimmgabelgespraeche werden im nichts verlaufen.

[pn]




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