elbe & schatten
Friday June 15th 2007, 1:12
abgelegt in: [wachsfigurenkabinett]


elbe&schatten.gif

elektriker tauber stellt die koffer auf das laminat. seien sie vorsichtig, sagt die kundin. ich habe angst vor dem strom. sie lacht und wechselt die oktave dabei, um sich zu verbessern: nein, einen riesen-respekt ! tauber winkt ab. seien sie nicht laecherlich, gnaed`ge frau. ich mach das schon zwanzig jahr.

am tag zuvor. tauber stoesst erneut an. der neue schwager lallt schon. wohl bekommts, lieber neuer dicker schwager dirk. tauber geniert sich waehrend der ansprache der eltern, die schon alt sind. ist doch normal, der arbeitskollege eckt ihn mit dem ellenbogen an. die duerfen das! tauber runzelt die stirn : alt sein ? der kollege dreher trinkt weiter. gelange ersteinmal in den goldenen herbst, sagt er und meint es auch so platt.tauber denkt : meine schwester ist so haesslich. er wischt die handflaeche an der hose trocken und schwenkt das glas zum frischen paar. er muss die augen aufreissen beim schlucken. alle klatschen. tauber hat die pointe verpasst.

ist es ungewoehnlich einen elektriker fuer sowas zu bestellen? sagt die kundin und uebt neckisch zu sein. im augenwinkel sieht tauber seine eigene routine und ihre. mmmh. ne. tauber irrt sich gleich bei den anschluessen. der spannungspruefer steckt arbeitslos in der schweinsledertasche im dritten einsteckfach. taubers kopf sinkt fuellig nieder. die kundin wundert sich ueber die muedigkeit - diese handwerker ! sie lacht und knackt mit dem knie beim beugen. sind sie in ordnung? fuenzehn minuten spaeter. die koerperhandwerker kommen, um den leblosen in eine plastikplane einzusacken. die ex-kundin sieht ploetzlich zeichentrickfiguren vor sich, die finger in steckdosen stecken, dann zucken und kleine rauchwoelkchen aufsteigen lassen. wie die leute so eine starke phantasie aufbringen, sich derart dramatisches auszudenken? das ist ihr schleierhaft.

[pn]




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filmregen
Friday June 15th 2007, 0:03
abgelegt in: [junkieausrede]


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rasenflaeche. ich sitze auf der steinkante. selbst der russe neben mir spricht ueber neuordnungen und politische bildung. da hat er absichten insgeheim in sich geschoben, die keiner der hier anwesenden erfuellen kann. er telefoniert. ich drehe mich ab, mit dem styroporbecher in den haenden. sofort wird mir schlecht. geworden! er lacht ueber sein deutsch. integriere dich, meint er zu mir, als ich den kaffee wegschuette. er beginnt, ohne dass ich mich wehren kann :

in unserer zeit ist selbst ein stuhl zur suende geworden. wieso? da das sitzen unerhoerterweise zum selbstzweck geworden ist. geworden! nicht aus gruenden der faulheit, da diese ja nur im vergleich betrachtet wird. im gegenteil, es sind aesthetische gruende.

er amuesiert sich ueber das tempus, als sei es gezeitenwechsel an einem verdreckten strand seiner vor-vergangenheit. die leute koennen selbst in sibirien im sommer durch fluesse steigen und an buchten im meer versinken, bevor der eisboden nasenbrueche fabriziert. er haelt eine unsichtbare flasche an den hals, schlaegt mit zwei fingern dagegen und lacht sein so-geht-das. woher diese freude? ich habe mich bereits mehrere schritte entfernt, als er mir gruessend entgegenkommt. dem putin ganz aehnlich, denken die teutonen im park und greifen nach heruntergefallenen muenzen. du bist gar kein russe, sage ich und will ihn nicht durch willkuerliches raten verletzen. da haben wir alle noch einmal glueck gehabt. niemand wurde totgeschlagen, wenigstens in den naechsten vierhundert minuten in dieser stadt. da lacht er wieder, diesmal wohl ueber eine dilletantische moral am anderen ende der leitung. [pn]




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