Texte - April 2006
wir werden in dem bus durchgeschaukelt, der fahrer verwechselt bremse und gaspedal, ein maedchen kommt herein, es hat seinen bruder an der hand. sie reden ueber schusswaffen, er sagt, dass sein alter ihn daran hindert auf den uebungsplatz zu gehen, er sei zu jung. der bruder insistiert, dann kapituliert er. ein junges maedchen kommt herein. sie traegt eine aufschrift auf der brust. vierundzwanzig stunden offen. sie ist fuenfzehn. die sonne scheint uns allen auf den ruecken, solidarische verbennungen. eine frau kommt herein, auf ihrer hose einhundert etiketten aufgenaeht, sie hat einen grauen hund dabei. sie tauscht mit einer anderen frau den platz, damit der hechelnde hund liegen kann. der bus haelt an, der fahrer tritt durch die letzte tuer und bittet darum einen maulkorb anzulegen. es waere nicht seine private rede, sondern gesetz. koepfe schuetteln sich, der korb wird umgeschnallt, der hund kriegt einen starren blick, ich schaue ihm noch in die augen bevor er aussteigt. das tut er bald. er nimmt die frau mit. [pn]
gross sind die lettern und schwer. dort liegen sie in den augen und machen diese muede. lassen sie krampfen. moechte man diese welt kennen? man muss, zerfahren, die hand blaettert willig zum feuilleton. hier ist es warm. ein noch nie gesehener film, ein noch nie gelesenes buch. verschwendung am sonntag, am montag. beflissen und starr die meinung, kopieren und nichts kapieren. das wissen zusammengesucht, frankensteins monster sieht daneben wie ein modell aus. [frankenstein ist der erschaffer und nicht das monster: fuer alle zeiten]. mary shelley schrieb den roman als erstaunlich junge frau, anfang des 19.jahrhunderts. mit ihrem mann war sie damals in der schweiz, wo der ehrwuerdige lord byron in einem schloss am kamin bei ihnen sass und sie aufgrund des schlechten wetters beschlossen sich gegenseitig gespenstergeschichten zu erzaehlen. [ein moderner mensch kann sich diese situation wahrscheinlich nur als postmodernes bild der vergangenheit vorstellen, wobei er wahrscheinlich zu viel ecos " namen der rose " [als film, versteht sich] und bilder von mozartgleichen gestalten in weissen peruecken mischt] shelley war so angetan von darwins kuerzlich erschienenen schriften ueber die evolution und der pittoresken verregneten landschaft, dass sie ihrem wissenschaftler einen deutschen namen verpasste und die urangst der menschen nach einem abloeseprodukt, dem mechanischen konkurrenten , in die moderne holte. [pn]
der schmetterling brennt. ich sehe ihn durch die hitzewellen steigen, ich wache auf. der traum ist schwarzweiss gewesen, abgezogen auf barytpapier. der fixateur hat noch nicht gewirkt. photos haengt man nur im film auf waescheleinen, sie wuerden sonst verschmieren.man legt sie in eine elektrische presse unter leinen, von der dampf aufsteigt.dort werden sie wirklich trocken, so schnell , dass man sie weglegen kann und nicht mehr anschauen muss. das telefon klingelt in der ecke. ich stehe auf und schaue die anzeige an. dann stelle ich es lautlos. wie oft habe ich diese handbewegung schon gemacht? in der kueche drehe ich die kanne, setze kaffee auf und gehe zaehne putzen, oeffne vorher das fenster ,um die hitze aus dem zimmer zu entlassen. ich sehe, dass ich vergessen habe die heizung herunterzudrehen. sie strahlt. waehrend ich am fenster stehe kreuzen flugzeuge den himmel, die voegel auf der birke blicken neidvoll nach oben. nachts ist fuer drei stunden der flughafen gesperrt. selbst die voegel schlafen dann. kerosin ist der wurm des stahlvogels. macht ihn nur kurz satt. die fenster beschlagen, als sei der raum mit atmern gefuellt. luftaustausch, physik fuer benutzer. manchmal fliegt eine elster gegen die scheibe, dabei habe ich seit dem einzug vor drei monaten noch nie die fenster geputzt. so klar muss die umwelt nicht zu sehen sein. die industrie sagt wahrscheinlich etwas anderes. beim anziehen geht der reissverschluss der hose kaputt. ich fluche und lasse sie liegen. der kaffee schmeckt gut, passt zur zweiten zigarette. ich muss meine miete zahlen. reibe mit der hand mein gesicht, presse dabei die zunge gegen die vorderzaehne. setze einen zweiten kaffee auf.
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der streifenwagen faehrt routiniert vor, aus ihm entsteigen zwei beamte, ziehen im selben moment die plastikhandschuhe an, wie die saeuferfrau auf dem balkon ihre kleider aus. einer kann gerade noch den kopf abwenden, da platzt neben ihm eine bierflasche auf den asphalt. mach die tuer auf, ruft der andere. sie sind alte bekannte. die haustuer in dem mietsbau ist milchglas, dahinter zeigt ihm die alte ihren mittelfinger. der kollege laechelt, warte bis ich da bin, er hat keine eile. dreht sich zum neuen und empfiehlt,er solle sich die nase zuhalten. die tuer ist offen, die zarge ist braun und abgegriffen. ich will den russen hier raushaben, schreit der im unterhemd, auf dem tisch wuehlt er nach zigaretten. fussballposter und ein wandschrank. auf dem bett sitzt ein anderer. die saeuferin ist aufgeregt, keift und gestikuliert mit einem portemonaie. ich will meine siebzig euro wiederhaben. was ist hier passiert ? die hand an der dienstwaffe, aber so , dass es niemanden nervoes macht. es riecht nach schimmel und selbstgestopften. ich will den russen hier weghaben. der im unterhemd steht nicht auf, sein mund laesst spucke fallen. der neue schlichtet, sein kollege ist froh. jung aber kein dummkopf. der russe ist still. die personalien werden ueberprueft. alles in ordnung? der russe soll gehen, es wird lauter. kollege schaut auf die uhr, es ist doch erst mittag. unterhemd verneint, er habe das geld nicht. die alte kriegt einen platzverweis. routine. auf der strasse will sie zurueck, sagt sie habe das bier vergessen, eine blaue duenne jacke hat sie in den haenden, eine zigarette im mund. dem kollegen faellt eine taetowierung am oberarm auf. suende. der russe schaut auf, er sammelt etwas vom boden in der wohnung. der im unterhemd ist auf dem hocker eingeschlafen. ihm steht in wenigen wochen ein herzinfarkt bevor. der kollege sieht der saeuferin nach, sie geht an einer gruppe kinder vorbei, die ihre fahrraeder abgestellt haben.
er hoert die tuer des wagens schlagen und den motor starten. das funkgeraet meldet einen exibitionisten. [pn]
ein zimmer mit blick nach aussen. die bewohner vermutlich zu hause, fahren mit den fingern an den kanten der moebel entlang, bis sie aufeinander stossen.
eine handschrift, die ich wiedererkenne, ein gesicht, das spuren hinterlaesst, haarstraehnen gegen die blaesse, mein grinsen starr und aufgemalt.
zahlenreihe und blick auf das papier, die entfernungen nur logische verkrampfung, so steigt man die kletterwand empor, angebunden an den boden, vermutet eine last auf den schultern, die sich tragen laesst.
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das flugzeug wird die stadt konkurrenz erreichen, klumpen von eis an den tragflaechen, vorher, besprueht mit violetter fluessigkeit, sauerstoffmaske mit gelbem mundstueck, verliebt in die flugbegleiterin, zerschellt in einer traube mensch, proportionen veraendert, hormone in ihrem koerper vermischt. stabile seitenlage. sie gibt ihre gene nicht freiwillig weiter. auf dem weizenfeld komplikationen, tretmuehlen und saatgut voll blei. lichtkranz, heiligenscheine, auffahren in den himmel, aus dem sie zuvor gefallen sind. unter der schwerkraft verteilt die anderen kraefte. sie helfen einander um sich danach zu verraten. [pn]
protonenmusik, ohne halluzinogene geht nichts, nichts ueber uns hinaus, wir schreien vom balkon herunter, dass alle dumm sind. die nachbarin kommt und sagt, dass die tochter nicht schlafen kann. sie wird musikredakteurin werden. erneut hallen die tiefen toene und die hoehen schrauben sich aus den boxen, mitten fehlen, die sind maessig, zu verachten, ein pendant, dass verletzt, weil die erwartung nicht mit der wirklichkeit tanzen kann, nicht zu dieser musik. sie wird fehlen, vielleicht ist es besser so, statt metronom, fallendes, metrisches system,mit stolz fassen wir uns an die schulter,im treppenhaus, liegt eine fremde mit dem kopf nach unten, wir schlagen an die tuer, der bewohner will erwachen, schleicht durch den flur, wir schlafen miteinander, fremde, in einer situation, die fuer liebende gedacht ist, mit mir kann es passieren, dass man aufwacht und bemerkt, dass man schon lange einen fehler macht.
diesen erneut machen wird, sie fehlt, sie wird nicht kommen, aus dem du ist ein sie geworden, wahnleib, angst , dass der koerper aus glas besteht, wir setzen uns nieder mit vorsicht, an den waenden der gestank des alten, der gewalt, klingelnde geraeusche, das lied hoert auf , gott singt falsch, gehorcht uns fehlgeleitet, aus der klinge auf der klinge durch die klinge hindurch zum morgen, der feist und weiss begruesst, als wuerde er lachen, dass wir noch einen tag erleben wollen. [pn]
die batterie schleppt die einheit mit, wir graben einen graben, redundant, wie viele meter noch, keucht mein nebenmann. blitze am himmel, photoapparate unten, fuer die angehoerigen. sein letztes gesicht, im zelt wird genaeht, einige schlagen purzelbaeume, verletzt und kein blaulicht dabei. ich lese eine kriegsgeschichte und lache leise mit zusammengekniffenen lippen. nicht so tief ! legt die schaufeln aus der hand. wir machen eine pause. [pn]
der offizier hat schlamm an einem hosenbein. schauen sie auf das radar, sagt er und verschwindet im dunkeln. es ist so still jetzt, dass mir die ohren pfeifen. radio verboten, sagt das schild. ich druecke einige knoepfe, leiste meinen beitrag. wir sind beinah abstrakte maler. psychologen ! verbessert mich der haeftling hinter der holzwand. auf dem bett denkt er an seine freundin oder einen hund. oder an die erde,die weint, weil sie von pluegen zerissen wird. ich suche im kopf nach farben und greife nach einigen papieren, die auf dem gruenen block warten. dort ist der bildschirm eingelassen. sprechen verboten, was ? hoere ich die stimme hinter der wand sagen, so zart, fast rosa. ich nicke und druecke die knoepfe. bin dankbar nicht in fahrzeugen zu hocken und dort die knoepfe zu druecken, vor allem die roten. auf meinem pult sind alle knoepfe weiss. dann schaue ich hoch und habe nasenbluten. [pn]